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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung
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der Möglichkeit selbständiger Auswahl benutzen kann. Das rot-
linige Notensystem mit seiner eigenartigen schwarzen Notenschrift
ist ein Buchschmuck für sich. Die Schrift, von dem Meister Rudolf
Koch (Offenbach a. M.) geschnitten, dient dem heiligen Gegenstand
vortrefflich und hat eine feierliche weihevolle Haltung. Weitere
Proben des Inhalts der Haggadah zeigen eine gegenüber den
alten Haggadahs neue Form. Indem der Verfasser in den überlie¬
ferten Textteil der Haggadah an vielen Stellen erklärende Zusätze
einfügte, vermittelt er dem Leser ein abgerundetes und von gei¬
stigem Leben erfülltes Bild von jüdischem Denken und von jüdi-
discher Frömmigkeit. So stellt diese Offenbacher Haggadah nicht
nur einen besonderen buchlichen Wert dar, sondern sie bereichert
auch inhaltlich die Zahl der Festbücher zum Sederabend, mit
Treue das Alte bewahrend und „freundliches Neue" mit kluger
und fühlender Auswahl hinzufügend.
Wilhelm Liebknecht zur Schächtfrage. Anläßlich der für Bayern
akut gewordenen Schächtfrage hat der Zentraloerein deutscher
Staatsbürger jüdischen Glaubens ein Flugblatt herausgegeben, das
die im Jahre 1899 gehaltene Rede des Abgeordneten Wilhelm
Liebknecht zur Schäch^rage wiedergibt.
Die Rede ist so aktuell, daß sie heute gehalten worden sein
könnte. Mit tre,ffenden Worten geißelt Wilhelm Liebknecht die
wahren Motive der Schächtgegner: „Im übrigen mögen Sie sagen,
was Sie wollen, aber daß Sie diesen Antrag eingebracht haben,
nicht bloß aus Liebe zu den Tieren, nicht bloß um das Quälen von
Tieren zu verhindern, sondern weit mehr, um die Juden, unsere
Mitmenschen, zu quälen, das unterliegt für mich nicht dem aller-
leisesten Zweifel.Und es ist fürwahr traurig genug, daß
überhaupt im Deutschen Reichstag ein solcher Antrag hat einge¬
bracht werden können. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)"
Die Doktorschule von Max Nassauer. Verlag der Ärztlichen Rund¬
schau, Otto Gmelin, München. München 1926. Preis 4.50.
Das Buch Nassauers erscheint nunmehr in 5. Auslage, ein Be¬
weis, welche Beliebtheit sich das Werk erworben hat. Es bringt
hqitere und ernste Szenen aus dem Berufsleben des Arztes und
weiß Leid und Freud des ärztlichen Berufes an Hand kleiner Er¬
zählungen aus der Praxis des Arztes in anziehender Weise zu ver¬
anschaulichen. Das Büchlein wird von Arzt und Laien mit Ver¬
gnügen und auch mit Nutzen gelesen werden.
Vereine
Jüdischer Jugendverein, München. Am Donnerstag, dem
13 Januar, abends 8.30 Uhr, im Bibliotheksaal der israeli¬
tischen Gemeinde, Herzog-Max-Straße 7, findet die diesjährige
Generalversammlung statt. Zutritt haben nur Mitglieder!
Wir machen hiermit bekannt, daß ab 1. Januar unsere Vereins¬
abende nicht mehr in der Finkenstraße 2/1 stattfinden. Die neuen
Zusammenkunftsräume werden in der nächsten Ausgabe der „Ge¬
meindezeitung" und auch bereits am Donnerstag, dem 13. Januar,
mitgeteilt.
Wir haben für Skiläufer eine Gruppe gebildet. Für An¬
fänger ist Näheres bei Herrn Ernst Katzenstein, Liebherrstraße 1/0,
für Fortgeschrittene bei Herrn Max Both, Lindwurmstraße 185, zu
erfahren.
Unsere anderen Gruppen sind folgende: „Wandergruppe", An¬
fragen sind zu richten: an Frl. Paula Neuwirth, Franz-Joseph-
Straße 33, Tel. 33 5 00.
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„Vibellesekurs". Leitung Herr Lehrer M. Adle,r, jede Woche
Dienstag, abends 8.15 Uhr, in der Herzog-Max-Straße 5, Rückgeb.
(Zimmer des Herrn Hirschinger).
„Literatur". Leitung Herr K. Neisser, oierzehntägig, Montag,
abends 8.15 Uhr in der Herzog-Max-Straße Rückgeb. 5, Beratungs¬
zimmer der Gemeinde.
Es werden außerdem im Laufe dieses Winters einige öffentliche
Vorträge gehalten werden, die wir noch mitteilen werden.
Die Vorstandschaft des Jüdischen Jugendvereins.
Adolf Rothschild
M ü n ch e n
Theatinerfir. 7/1 - Graf-Arco-Palais. Eingang Maffeistr.