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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung
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Jungjüdischer Wanderbund. Am Samstag, dem 27. November,
hielt der Jungjüdische Wanderbund eine Chanuka-Feier ab, deren
Besuch zeigte, wieviele Freunde sich diese Bewegung auch in Mün¬
chen erworben hat. Den Zuhörern wurde durch heitere Darbietun¬
gen ein genußreicher Abend geboten. Besonders hervorgehoben
seien die hebräischen Lieder sowie das Laienspiel: „Abenteuer in
Dongking". Das frische, lebhafte Spiel und besonders die fein
untermalende Klavierbegleitung durch den jungen Künstler, Herrn
Franz Kleinbauer, der die Musik zu dem Stück geschrieben hat,
fanden großen Beifall. Es waren schöne bei der Jugend ver¬
brachte Stunden.
..Kindertragödie' von Karl Schönherr, ausgesührt im Jüdischen
Jugendverein am 16. Dezember im Frauenklubsaal, Finkenstraße.
Wenn Dilettanten zu ihren Darbietungen im Reiche des Tespis
einladen, so kann man eine leise Skepsis nicht verwinden. Um so
erfreulicher war es zu sehen, wie hier, im Jüd. Jugendverein,
junge Menschen am Werke waren, diese mit dynamischer Kraft fast
überladene Tragödie blutvoll auf die Bühne zu stellen. Sie brach¬
ten ja auch alles mit, was eine künstlerische Tat heischt: Fleiß,
Geist, Enthusiasmus und Talent. Hier dienten Menschen der Kunst,
die nichts von Pose, nichts von Routine wußten und die deshalb
packten, aufwühlten, erschütterten.
Jedem der Mitwirkenden gebührt in gleicher Weise uneinge¬
schränkte Anerkennung.
Unverfälschtes Theaterblut fließt in den Adern von Frl. Fannerl
Kamnitzer. Gläubig der Rolle hingegcben, überzeugend in jeder
Phase!
Wie griff Herr Louis Knoblauch als verzärtelter jüngerer Bruder
in seinen Seelennöten, in seinem Jammern um die verlorenen
Liebkosungen der Mutter ans Herz!
Wie glaubhaft war dessen älterer Bruder, den Herr Herrmann
Knoblauch verkörperte, im verbohrten Schmerz um das zerstörte
Heim, die zerschlagene Ehre und um das Unglück des geliebten,
Hintergangenen Vaters.
Kindertränen! Kinderschmerzen! Auf den Brettern von Erwach¬
senen geweint, von Erwachsenen erfühlt. Schwer ist die Darstellung
kindlicher Seelenkonflikte. Schwer ist die Darstellung kindlicher
Seelenkonflikte. Hier gelang sie!
Dank gehört auch vor allem Herrn Ernst Nußbaum, der mit
künstlerischem Spürsinn diese ergreifende Tragödie wieder ans
Rampenlicht förderte. Mit aufopfernder Liebe, tiefstem Ernst und
sensibler Einfühlung führte er Regie.
Last not least! Herr Rudi Deutsch schuf mit bewunderungs¬
würdiger Geschicklichkeit aus primitivsten Mitteln sinngemäße De¬
korationen.
Reicher Lohn ward dem Regisseur und den jungen Schauspielern
zuteil durch den begeisterten und ehrlichen Beifall des willig mit¬
gehenden Publikums. Bernhard Renka.
AMTLICHER ANZEIGER
Hummer 1 Beilage der Baverifcfoen Israelitischen Serneindezeitung 7. Januar 1927
Bekanntmachungen des Versandes
Bayerischer Israelitischer Gemeinden
Bekanntmachung
betr. die Veräußerung von Kultslätlen und Kultusgegensiänden und
die Erhaltung des gemeindlichen Besitzes
An die Bezirksausschüsse und Verbandsgemeinden
Unter Bezugnahme auf die Bestimmungen der Verordnung der
Reichsregierung vom 8. 5. 1920 über den Schutz von Denkmälern
und Kunstwerken (RGBl. S. 913) und die bayerischen Vollzugs¬
vorschriften vom 14. 9. 21 (GVBl. S. 480, KMBl. S. 187, Bayer.
StAnz. Nr. 222), auf § 28 der Verfassung des Landesverbandes
vom 22. 2. 26 (Gde-Ztg. S. 72) sowie auf die allgemeinen Rechts¬
grundsätze, die für religiöse Körperschaften des öffentlichen Rechts
bestehen, geben wir bekannt:
1. Wiederholt wurden in letzter Zeit Kultstätten und Kultus¬
gegenstände von Gemeinden veräußert, ohne daß hiervon entspre¬
chend den geltenden Bestimmungen dem Verband und dem zu¬
ständigen Bezirksausschuß (Bezirksrabbiner) Mitteilung gemacht
und die Genehmigung des Rats eingeholt wurde. Solche Ver¬
äußerungen sind rechtswidrig. Sie verstoßen gegen die Vorschriften
des Reichs und des Landes sowie gegen die Verfassung des Lan¬
desverbandes. Die beteiligten Mitglieder des Vorstands und der
Gemeinde machen sich hierdurch schadensersatzpflichtig und müssen
außerdem strafrechtliches Einschreiten gewärtigen. Als Kultstätten
in diesem Sinne sind Synagogen, Friedhöfe und Bäder anzu¬
sehen, als Kultgegenstände Thorarollen, Thoraschmuck, Thora¬
bekleidung, Vorhänge, Decken, Leuchter, Memorbücher, ältere
Bücher von geschichtlichem Wert, auch losgelöste Teile unbeweg¬
licher Gegenstände, wie Almemor und Grabsteine.
2. Der gemeindliche Besitz ist in seinem Grundstock zu erhalten.
Veräußerungen, auch soweit sie andere als die in Ziffer 1 aufge¬
führten Gegenstände betreffen, dürfen nur im Wege ordnungs¬
mäßiger Verwaltung vorgenommm werden. Der Erlös ist unter
allen Umständen dem gemeindlichen Vermögen zuzuführen. Eine
Aufteilung des gemeindlichen Besitzes unter Gemeindemitgliedern
ist unzulässig und macht die Beteiligten haftbar. In Fällen, in
welchen die Veräußerung gemeindlichen Vermögens beabsichtigt
wird, empfiehlt es sich rechtzeitig im voraus bei der Verbands¬
leitung anzufragen, um Verstöße gegen das geltende Recht und
die sich daraus ergebenden Weiterungen auszuschließen.
München, den 23. Dezember 1926.
Dr. Neumeyer.
Bekanntmachung
betr. Gewährung einer einmaligen Rotzuwendung an Beamte usw.
Aus Grund Bekanntmachung des Staatsministeriums der Finan¬
zen von 22. 12. 1926, Nr. 63 177 (Bayer. Staatsanzeiger vom 22.
12. 1926, Nr. 296) wird den etatmäßigen und nichtetatmäßigen
Beamten,.den Wartegeld- und Ruhegehaltsempfängern,
den witwen- und waisengeldberechtigten Beamtenhinterbliebenen,
Benno Sarsky i;rk'^ne Ja22
Theatinerstraße 16 «Telephon 26285
J. ZUBERBÜHLER
nachmittags von 4—6 Uhr
lasllltll und abends 31/2 Uhr im
Wintergarten