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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung
Nr. 18
Buchau: Die Synagoge mit dem Glockenturm
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und Ansehen; im Jahre 1822 dursten sich erstmals zwei Juden
an der Hauptstraße ansiedeln und schon sechs Jabre später er¬
warben 18 Juden das Bürgerrecht. Es ist nur natürlich, daß
die Juden, als sie die Gleichberechtigung errungen hatten und wie
die anderen Bürger geachtet waren, auch mit ihrem Gotteshaus
den andersgläubigen Mitbürgern nicht nachftehen wollten; doch
erst nach Überwindung vieler Schwierigkeiten gelang es den
Juden, die Bewilligung und die Mittel zum Bau einer großen
Synagoge zu erlangen, und im Jahre 1839 konnte die heutige
Synagoge in Gegenwart des Königs eingeweiht werden.
Damals befand sich im Turm lediglich ein Glockenspiel. Auf
ausdrücklichen Wunsch und im Auftrag der jüdischen Gemeinde
Inneres der Synagoge Buchau
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Die Glocke im Turmgebälk der Synagoge
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Buchau wurde dann im Jahre 1854 eine Glocke für die Syna¬
goge gegoffen. Sie trägt auf der Ostseite den Namen des Mei¬
sters Wenzeölaus Beker aus Biberach, sowie die Jahreszahl
1854; auf der Westseite in hebräischen Lettern vom ersten VerS
des 122. Psalms: ns^nn onöxn ’nnetp
Noch heute wird morgens und abends, wenn die Juden sich
zum Beten versammeln sollen, die Glocke geläutet. Das
Glockenläuten, früher eine besondere Ehre und Freude für die
jüdischen Kinder Buchaus, wird heute vom Schammes besorgt.
Die Gemeinde, die einst über 700 Mitglieder zählte, ist
heute auf etwa 200 zusammengeschrumpft und die Abwande¬
rung nach den Großstädten dauert an. Es zeigt sich hier das
Die hebräische Inschrift der Glocke