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Freie Trfbfine
Seft« 3
Petiten, um wenn ititM gegen jdi* .Ukrainer, st> gegen
die Botektfiewiiki zu kämpfen. Dutzende von
Teltcrratnmen berichteten über die kriegerischen
HeMentaten der Armee Halfcrs und teilten Einzel¬
heiten über «eine Fortbewegung durch Deutsdh'lanü
mit- Endlich traf der „ruhmbedeckte" General an
seinem Bestimmungsorte ein. Endlidh' erhalten wir
da* erste Telegramm über seine erste „Kriegstat".
NadV der Einnähme .v,on Kowel veranstalteten sie
in dieser Stadt eineti fürchterlichen Pogrom. Aber
noch» mehr Exzesse haben die Soldaten der Armee
Halle™ in vielen Städten Polens begangen, so auch
in Tvrhenstochau, das sicher nicht an der Front
liegt, wo die Legionäre Hallers. die jüdischen Häuser
und Magazine plünderten. 7 Juden wurden dabei ge¬
tötet, 0 Schwer verwundet ; altf leicht .verwundet sind
einige Dutzend Menschen registriert. Eine Menge
iüdisther Magazine sind ausgeraubt worden. Die
Polizei leistete keinerlei Widerstand. Der Tschensto-
tftauer Arbeiterrat hat einen Protesit gegen den Po¬
grom erlassen. Dieser kurze Bericht über den klei¬
nen Pogrom kennzeichnet deutlich die Rolle der
■polnischen Regierung und ihrer mächtigen Be-
jichützer der Entente bei der Organisation
der Pogroms.
Daüsind die Einzelheiten der größten Pogrome,
die im Nordwestgebiet stattgefunden haben; die
■■Kleineren wurden nicht angeführt. Solche wurden
in jeder jüdischen Ortschaft, in jedem: Dorfe, wo es
auch nur einen Juden gab, veranstaltet. Die Grau¬
samkeit und die Befriedigung der wildesten Instinkte
fanden hier natürlich freien Spielraum. Hier konnte
man ungeniert die Juden in kleinen Häuflein töten,
Mißhandlungen ersinnen und sich an ihnen berau¬
schen, all daS konnte man hier schön im Stillen tun,
,ohVie von ganz Europa beobachtet zu werden. Be¬
richte über siol'che kleine Judenhetzen gibt es viele,
•sie aFle anzuführen ist unmöglich. Das Angeführte
genügt, um über das Wesen und die Organisation
der Pogrome aufzuklären. Wer hat die Pogrome
organisiert ? Man braucht nur die angeführten Be¬
schreibungen mit einander zu vergleichen, um eine
deutliche Antwort zu erhalten. Die U!mzingelürig be¬
stimmter Stadtteile, die allgemeinen Haussuchun¬
gen, die von Mißhandlungen und Morden begleitet
sind; die ausfecMießliche Betätigung der Legionäre,
'd. 'h'. der disziplinierten Soldaten, und die Fernhal¬
tung von Marodeuren und Hooligans:; die wieder¬
holten Provokationsakte: daraus setzt sich das Bild
afler Pogrome zustammen. Al'le sind nach einer
Schablone organisiert* Alles ist bis zu den kleinsten
Einzelheiten bestimmt, im Voraus berechnet.
UeberaM fühlt man ein und dieselbe Hand. Sogar die
.Verunglimpfungen und Mißhandlungen selbst si n d
einartig. Der Befehl' an die dem Tode Geweihten
:oder deren Verwandten, die Gräber sielher zu gra¬
ben, dasi Schlagen mit dem Gewehrkolben, sogar
das Anspeien, alles wiederholt sich bis ins kleinste.
Die po 1n i siehe n Behörden sind die An¬
stifter, die O r g a n i s a t c> r e n der P o g r o m e,
die Verfasser der Pläne und vielleicht auch der aus¬
fuhr lieh en Dislpos.it ion e n.
Und die Verbündeten? Ihre Vertreter befinden
«(ich in eleu polnischen Armeen. Vor ihren Augen ent-
roflte sieh das fürchterliche Bild des Pins*ker Blut¬
bades). Nun und ? . . . Sie verließen PinsJk und ver¬
sicherten Europa, daß altes ruhig, daß. „nichts ge¬
schehen sei" . . .
üüs der Internaflonaie.
Iiis den leipziger Parteitag der U. S. f. Q.
Frankreich.
Genosse Daniel Renoult, einer der Führer der fian»
'ösischen Parteimehrheit, schreibt im „Populairc" vom
i~. Dezember:
,,üas Problem der Wiederherstellung der Internationale,
das «reit langer Zeit bereits alle Sozialisten leidenschaftlich
beschäftigt, ist in eine neue Phase getreten.
Die deutschen Unabhängigen Sozialisten
haben beschlossen, d ie /weite Internationale zu
V e r fajsis' e n.
Hiermit h- a. t diese den Todesstoß erhalten.
Der Genfer Kongreß wird nicht berufen
werden; die zweite Internationale ist \-Erur r eil t , *u ver<
schwinden.
Was nun?
Das erste Ergebnis, das man erreichen muß, ist also
der Beitritt im allgemeinen zum Akt i Ot ns p r o
r a m'm d;e r Unabhängige n.
Dieses Programm verwirft zunächst die Zusammenarbeit
der Klassen, eint Forderung, die die Grundlage der ErkUU
rungen bildete, welche in Amsterdam die gesamte lutcrnatio»
wate verpflichteten, und im besonderen die gesamte fran¬
zösische Partei durch ihren Einigungsvertrag. Diese Verurtei»
lung. der Teilnahme an einer bürgerlichen Regierung nach
soviel schmerzlichen Erfahrungen, erscheint als cm« unbe,
dingte Notwendigkeit. Ohne sie kann es keine vorwärts»
schreitende sozialistische Aktion geben, die mit Festigkejt
auf das unverrückbare Ziel der Revolution gerichtet ist.
Das ist die höchste Regel, von der es keine Ausnahme
geben darf, und unter welche die gleiche Disziplin die Men*
sehen und Organisationen beugen muß.
Die Unabhängigen verlangen außerdem, und hier sehen
wir eine Annäherung an die letzten Kundgebungen der Ita¬
liener und die der dritten Internationale, die Anerkennung
des Kampfs und Aktionswertes der Arbeiterräte für die Ver¬
wirklichung des revolutionären Zieles. Es handelt sich für
sie nicht um einen Ergebeuhcitsakt für den russischen Sovv--
jetismus, sondern um einen Ak* der Anerkennung der his«t o -
ri sehen Rolle, die diese Organe gespielt haben, deren
Einrichtung und Bedeutung in den einzelnen Ländern in
allen aus dem Kriege entstandenen Revolutionen verschieden
waren.
Der westliche Sozialismus kann im Namen seiner poli*
tischen und gewerkschaftlichen Erfahrung verlangen, mit einer
besonderen Au f nr e r k s a m k e i t an dieses Problem
heranzutreten, für welches übrigens viele setner Anhänger
bereits deutlich Partei genommen haben. Und es scheint,
daß es möglich ist, über diesen Punkt zu einer Einigung
zu kommen, wie früher über die so schwierigen und bestritte,
nen Fragen des revolutionären Generalstreiks und des Auf-.
$t and es.
Nur auf diese Weise kann man gegenwärtig aufs
schnellste alle sozialistischen Kräfte der Welt wieder ziu
sammenfügen für die Verteidigung der russischen
Re volution, die immer noch' in großer Gefahr ist und
für die Verleidigung der deutschen Rcvol|u-
t i o n, die durch die S c h u 1 d u n d durch das V e r*
brechen der korrupten R e c h t s s o z i a 1 j s t e u, die
nach dem Sturz des Kaisers ihre Verbindung mit dem preus-
sischen Militarismus und der imperialistischen Bureaukratje
fortgesetzt haben, ihrem Ruin entgegenzugehen droht. Es
ist das wirksamste und geeignetste Mittel gegjgn die Reaktion,
die überall die geschlossenen und disziplinierten Kräfte des
Proletariates aller Länder bedroht.
Schweiz.
Die „Berner T a g w a Ch t",' eines der führenden Or*
gane der schweizerischen Sozialdemokratie, kommentiert in
einem redaktionellen Artikel die Beschlüsse des Leipziger
Parteitages. Sie stellt fest, daß . die Beschlüsse des.- Partei*
tages über Programm und Taktik selbstverständlich auch
analoge Beschlüsse hinsichtlich (der Internationale zeitigen.
, ; Dem scharfgezogenen Trennungsstrich gegenüber der
zweiten Internationale folgte djie prinzipielle Anerkennung
der dritten Internationale. Es 1 ist einerseits die logische
Konsequenz des Aktionsprogramms, 'das sich zum' Räte«
system und zur Diktatur bekennt^ aber ebenso logisch ist
der nur bedingt ausgesprochene Beitrijttswillen, entspre*
chend den taktischen Vorbehalten im Programm hinsieht*
lieh Parlamentarismus und Diktatur."
Man sieht, daß die* Unabhängigen Deutschlands zu ;ihn=
liehen Beschlüssen kamen wie die sozialdemokratische Partei
der Schweiz. Sie knüpfen an den Beitritt zu Moskau Vor=
b e Ii a 11 e, d i e ano h a n d e r n P a r t e i e n, b e s o n d e r s
denen der w e st I i C Ii e'.n Länder, den Beitritt
e r in ö g I i c h en soll e n. Der Parteitag der Schweizerin
sehen Sozialdemokratie lehnte in Basel die Vorbehalte ab,
trotzdem sie -in allen den Eintritt befürwortenden Reden
immer wieder als „selbstverständliche Voraussetzungen" zum
Ausdruck kamen. Die Urabstimmung konnte diesen Be=
Schluß nur noch bestätigen oder verwerfen. 'Sic verwarf,
we^l sie, nicht bedingungslos beitreten wollte. Verwarf mit
einer Motivierung, die im Grunde das gleiche besagt, was
die prinzipielle 'Zustimmung der Unabhängigen bedeutet:
0 r u u d s ä t z liehe Auer k e n n u u g d e r M o s k a u e r
1 n t e r n a t i o n a f e ti n d Solid a r i s i e r u n g mit d e r
russischen Revolution, aber Schaffung einer
Plattform, auf der sich auch andere sozia.U
r e v o I u t i o u ä r e P a r t e i e n b e w e g en kö iv.ii e «.
Der Wirtschafsrat des französischen
Proletariats.
Die Leitung des französischen G e w erksch a.t" tshu n=
des hat hald nach Abschluß des Waffenstillstandes die
Oeffeutlichkeit Frankreichs durch Aufrufe auf die kommen«
den wirtschaftlichen Schwierigkeiten hingewiesen und den
Sozialismus als Mittel zu ihrer Ueberwinduug gefordert.
Der L y oner G e w e r k sc h a f t s k o n g' r e ß, der im Sotn=
nier tagte, hat den Beschluß gefaßt, einen Wirtschafte
rat einzusetzen, um die Propaganda für den Sozialismus
zu verstärken und die Wege zur sozialistischen Produkt
tionsweise zu suchen. Des Arbeitsprogramm des Wirtschafts«
rat es fordert für die Arbeiterschaft das Recht der Mit»
best im m un g in Erzeugung und Austausch und die Natio¬
nalisierung der Produktionsmittel. Nach dem Arbeitspro¬
gramm versteht di« Arbeiterschaft „unter Nationalisierung
die Uebergabe der Produktions= und Austauschmittel in d i c
Hunde der Erzeuger und Verbraucher, die
ihnen zum Vorteil einiger genommen sind. Den Staat cm*
waffneu, indem er dorthin gedrängt wird, wo er nichts
anderes mehr isi als die Vertretung der gemeinschaftlichen
Organismen der Erzeugung und des Austausches; ihm so
das Mittel des Zwanges entziehen, den Händen des
Kapitals die Leitung der nationalen Wirtschaft e n t w i n d e n,
den Arbeitern die Rechte geben, wonach sie sich sehnen,
und die Verantwortung-, die sie selbst übernehmen wollen:
das ist das zu vollbringende Werk des Wirtschaftsrai es;'
Ueber die Mittel, die der Witfschaftsrat zur Durch-
Führung der sozialistischen Produktionsweise empfiehlt, sagt
das Aktionsprogramm: „Das Heil liegt in der Organisierung,
einer vermehrten Produktion. Diese ist allein imstande,
die Bedürfnisse der allgemeinen Konstuntion zufriedenzu¬
stellen. . . . Diese Organisation ist nur zu verwirklichen
durch den Beistand aller derer, die an der Produktion
teilhaben, also durch die Arbeiter und Techniker, und durch
den Beistand derer, die von Berufs wegen zur Verbindung
dej Tätigkeiten von Gemeinschaften bestimmt sind, also
durch die Beamten, und schließlich durch den Bestand der
Vertreter der Verbraucher, also durch die Kooperativen.
Die Organisation kann nur bestehen, indem in brevem
Maße die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung
(der Betriebs* und Arbeitsweise) benutzt werden, welch
letztere weitergetrieben und methodisiert werden muß."
Ferner heißt es, die Produktion müsse so organisiert
sein, daß die Erzeuger, deren Rechte geleugnet worden
seien, die Gewißheit haben!, daSR ihre Arbeit unverkürzt
der Gemeinschaft und nicht dem Sondervorteil einer Klasse
zugute käme.
Der Gewerkschaftsbund sucht zur Durchführung der
Arbeiten des Wirtschaftsrates Verbindung mit denv National»
verband der G c n o s s e n s c h a f t e n, dem Gewerkschafts--
verbande der Techniker und der LandesYcreinigung der
Beamten.
Die französische Arbeiterklasse hat damit eine Zert*
traisteile der Propaganda, und Arbeit für die Sozialisierung
geschaffen, die, unabhängig von kapitalistischen Interessen,
vor allem dazu beitragen kann, in der Arbeiterschaft
selbst die Voraussetzungen für die praktische Durchführung"
der sozialistischen Produktionsweise zu schaffen.
Armeebefehl Trotikis,
Die russllndlsolien Kommunisten und das Reoht der
Nationen.
Dem weißgardistischen „Prisyw" entnehmen wir folgen¬
den Armeebefehl, den Trotzki an die Rofc Armee geleg^njfr
Tich ihres Vormarsches in der Ukraina ucrließ. Die ihm
vertretenen Anschauungen über die nationale Frage werden
die Vorurteile unserer Genossen über den angeblichen „lm'^
periah'snms" der russischen Kommunisten gründlich zerstreuen,
und vielleicht auch mithelfen, in den Reihen der deutsch--
österreichischen Kommunisten Klarheit über diese Probleme
zu schaffen. ■> ;
*
„Genossen!
Soldaten^ Kommandanten und Kommissäre!
Ihr seid in die Ukraine eingedrungen und zerschlagt,
die Denikinschcn Banden zu Staub. Ihr befreit das Bruder¬
land von seinen Verg;ewartigern. ,
Ukraina ist das Land der ukrainischen Arbeiter und
werktätigen Bauern. Nur die u k' r ;aun i. s eh e Arbeiter^
und Bauernschaft hat das Recht, ihr eigenes
Land z u v e r w a 11 e n.
Während Ihr Denikin schlagt, müßt Ihr den arbeitende»
ukrainischen Massen Achtung und Liebe entgegenbringpn.
W e h e, d ; e m, d e r a u dh hur ein Haar de: m uk r«a<
i.niscßhcn Arbeiter in Dorf und Stadt krümmt!:
Die ukrainischen Bauern und Arbeiter müssen sich im
Schutze unserer Bajonette völlig sicher fühlen. Denkt daran,
daß unsere Aufgabe die 'Befreiung und nicht die Versklav
vung der Ukrainer ist. Wenn die Denikinschcn Banden
vernichtet sein werden, dann werden die ukrainischen
Massen allein zu bestimmen haben, welche Gesellschafts¬
ordnung sie bei sich haben und in welchen Beziehungen*
sie zu Sowjet-Rußland stehen wollen.
F ort mit den H ä u b e r u u n d Ver g, e, w a Jl t i g e r n i
Es lebe die befreite, unabhängige Ukratna!"'
Spanien.
Der Parteitag- der spanischen sozialdemokratischen Partei,
der am Tl. und 12. Dezember 1919 tagte, hat mit einer ge=
ringen Majorität den Antrag auf Beitritt zur III. Internationale
angelehnt. Die Delegierten cler Majorität verfraßen 14.000,.
die der Minorität 12.000 Stimmen.
Aus den Arbeiterräteti.
Innere Stadt.
In der konstituierenden Sitzung des Bez.-Arbeiter=-Rates
Innere Stadt gab für unsere Fraktion Gen:. Sokal fol¬
gende Erklärung ab:
Es ist gewiß richtig, wenn der Vorsitzende auf die wich¬
tige Aufgabe der A..R. hinweist, Verwaltung^* und KontrolU
arbeit zu leisten. Aber diese alltägliche Kleinarbeit darf
nicht den weiten Horizont der großen politischen Tätigkeit
beschränken.
Wenn es ein traurig/es 2ei;cht;n d.tf Zeit ist, daß. viele. Ange-#
stellte in unserem Bezirke an den A.-R.=Wahlen überhaupt:
nicht teilnehmen wollten, so muß uns Scham darüber er¬
greifen und Scham wird, nach einem Worte von Marx
zur Revolution, wenn sie die -Maasen ergreift.
Schämen aber müssen wir uns, muß sich das gesamte
Proletariat auch, daß seit Jahr und Tag von der Vermögens¬
abgabe gesprochen wird, daß aber dem Kapital auch nicht
ein Haar gekrümmt wurde. Die A...R. aber, als Instrument
des Klassenkampfes, des Kampfes gegen den Kapitalismus
müssen darauf achten, daß die Vermögensabgabe endlich
einmal aus einem Diskussionstheniia feu. einer (politischen
Tat sich gestatte.
/ _ — ----- ------- """«"=■ ---- —* —" '««wiingniut "luv Mw w m&uiaiTsraies'. iai sien ge^taue.
Auf den Tisch eines jeden jüdischen Arbeiters und Angestellten gehftrt die
■ n
Freie Tribüne».