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El-Amarnabriefe der Pharao von Aegypten, wenn auch nur äußerlich
und bereits gelockert, die Oberherrschaft über Kanaan hatte, während
z. Zt. unseres Buches von einer ägyptischen Macht nichts zu merken
ist. Die Habiru sind, wie die Israeliten Josuas, zwar den kanaa-
näischen Einwohnern an Kraft überlegen gewesen, aber die erobernden
Wüstenstämme verfielen, wie so oft im Laufe der Geschichte, der
Kultur des besiegten Landes. — Zur Beglaubigung des Hauptinhaltes
des Buches Josua weist Schulz auf eine Inschrift hin, die Prokop
von Cäsarea (De bello Vandalico II 10 S. 450, ed. Dindorf) erwähnt:
,,Wir sind die, die geflohen sind vor dem Angesicht Josuas, des
Räubers, des Sohnes Naves". Ueber den Wert dieser Angabe läßt
sich schwer ein Urteil fällen, trotz des Hinweises Kittels auf den
Hebraismus ,,vor dem Angesichte". —
Der Verfasser führt in seinem Kommentar auch den Laien in das tiefere
Verständnis des Buches Josua ein und entwirft in der Einleitung ein klares
Bild von der historischen Bedeutung dieses Buches. Der Kommentar selbst
legt weniger Wert darauf, alle die divergierenden Meinungen der modernen
Bibelexegeten zu bringen,-sondern bietet die wahrscheinlichste Erklärung in
leicht zu verstehender Sprache.
Die Arbeit der Hexateuch ־־ Synopse setzt Otto Eissfeldt
dort in seinen ,,Quellen des Richterbuches, in s y ־
noptischer Anordnung ins Deutsche übersetzt,
samt einer in Einleitung und Noten gegebenen
Begründun g", Leipzig 1925. — Eissfeldt sucht die im
Hexateuch nachgewiesenen drei Erzählungsquellen auch durch das
Richterbuch hindurch zu verfolgen. Diesem Zweck dient die Anlage
des vorliegenden Buches. Es zerfällt in vier Teile: die synoptische
Uebersicht, die Einleitung, die in synoptischer Anordnung gegebene
Uebersetzung und die Noten. Die Einleitung analysiert die einzelnen
Erzählungen und das Richterbuch im ganzen. Die Uebersetzung
bemüht sich, die dem Hebräischen eigentümliche Nebeneinander-
Ordnung der Sätze beizubehalten. Die Grundsätze, die sich für
den Verfasser aus einer exegetisch-kritischen Betrachtung für die
alttestamentliche Wissenschaft ergeben, sind folgende: Die quellen-
kritische Forschungsarbeit ermöglicht es, den Werdegang des A. T.
und seiner einzelnen Teile zu erhellen und liefert auch dem Historiker
der jüdischen Geschichte die Bausteine, aus denen er seinen Bau
gestalten kann. Gründliche wissenschaftliche Darstellung der Profan-
und Religionsgeschichte des alten Israel kann eine methodische
Untersuchung der Quellen nicht entbehren. Eissfeldt analysiert die
einzelnen Erzählungen von der Eroberung, und den Richtern, dem
Raub eines Kultgerätes durch die Daniten, der Schandtat von /
Ha-Gibe f a und der Bestrafung der Benjameniten. Er glaubt, daß
3 gesonderte Quellen der Kombination des Richterbuches zugrunde
liegen. Es scheint, daß diese 3 alten Erzählungswerke der Richterzeit
die Fortsetzungen der 3 im Hexateuch sich findenden älteren Dar-
Stellungen von Israels Geschichte sein sollen, in derselben Art wie
die Hexateuch-Quellen addiert worden sind. Auch scheint das vor-
deuteronomische Richterbuch umfangreicher gewesen zu sein, als man
es sich gemeinhin denkt. Zuzugeben ist, daß die Hand des Deuterono-
misten in ihm erkennbar wird, und daß der theologische Pragmatismus,
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