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Besprechungen
uberrannt wurden (LewLiv Heidenheimiana, Berlin 1924 r S. 22). Zu S. 95 ff.:
Al« Handwerker werden noch genannt ein Scheider (1765), Petschierstecher
(1785) (Zeitsichr. d. hist, Gesellsch. L d. Prov. Po«. VIII, 356 f., Grunwald,
Mifcteili. zur jüd. Volkskunde 1909, S. 125), ein Schriftgi!eßer in Nowydwor
(1785) « ז חובות הלבבור Nowydwor 1785, Ende), ein Holzschnitzer aus Pietr«
kow (1816) (Grünwald a. -a ־ . O.), Musikanten (Ende 18. Jahrh.) in Kempen
und Opatow (das. S. 126), früher bereits ein Xyllograph aus Schneidemühl
(Pyla) (1680 ff.) (Soncino ״ Blätter 1925, S. 186, ארבע חרשים ‘, Frankf. a. d. O.
1680/81), ein Kupferstecher in Posen (1728) (Sondino ״ Blätter a. a. O.) und
Goldschmiede in Opatow bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts sowie in
Kempen zu Ende des 18. Jahrhunderts (Grünwald a. a. Q.). 1783 waren
beim Neubau der Krotoschiher Synagoge ein jüdischer Arbeiter aus שאזרק
sowie ein jüdischer Baumeister und dessen zwei Söhne aus Rawitsch tätig
(Gesamtarchiv der deutschen Juden, Berlin, Krotoschiner Totenbuch 1783,
Nx. 994). Zu S. 175: Der schlesische Gutsbesitzer Berliner war aus Zülz
(Fürst, Orient, a. a. O., S. 228 f.). Louis Lewin.
Die Prager Universität und die Juden 1348—1848. Mit Beiträgen zur Ge«
schichte des Medizinstüdiums. Von Guido Kisch. Mährisch«Ostrau
1935. Verlag Julius Kittls Nachfolger. (X + 239 S. und 2 Illustr.)
Die Universität Prag war ursprünglich streng katholisch, die meisten
Professoren! waren Geistliche, nur die Zugehörigkeit zur Kirche öffnete die
Pforten. An den Eintritt eines Juden in diesen klerikalen Kreis war nicht
zu denken. Neben dem■ ״ Scholar enghetto'' 1 bestand das jüdische, zwei Welten,
die nur im geschäftlichen Verkehr, bei Disputationen und im religiösen
Gegensatz einander kannten. Hier war die Präger Talmudschule in der
Diaspora von ähnlicher Berühmtheit wie die Universität in ihrer Art, und
״ das Haus der Bachurim", in dem die Scholaren speisten^ erinnert an die
studentischen Bursen und klösterlichen Gemeinschaften* Auch hier gingen
die geistigen Interessen über das speziell«jüdische hinaus. Auch hier zeigte
sich Interesse für Geschichte, Naturkunde, Mathematik und Archäologie,
und! Lehrer wie der hohe Rabbi Löw und David! Gans wären richtunggebend.
Selbst der Name der Universität schmückte die Prager Jeschibah. Direkte
Beziehungen zum Prager Ghetto hatte die medizinische Fakultät, die dort
das Sanitätswesen überwachte; die Zensur hebräischer Bücher handhabte bis
1560 die Universität, seitdem die Jesuiten. Mit großem ׳ Eifer untersucht der
Verfasser die Ausbildung der Prager jüdischen!Ärzte und die Hindernisse, denen
sie begegneten; er bespricht auch zum ersten Male ausführlich, die deutschen
Universitäten, die nach und nach jüdischen Medizinern ihre Pforten öffneten;
insbesondere stellt er den. Werdegang des Dr. Abr. Kisch, des Lehrers
Mendelssohns, sorgfältig nach neuerschlossenen Quellten dar. Seit 1774 ist
die medizinische Fakultät Prüfungsstelle für jüdische Wundärzte und Bader,
seit 1777 anerkannte Ausbildungsstätte. 1781 gestattete Kaiser Josef den Be«
such der juristischen und medizinischen Fakultät. Aber die Furcht vor
Irreligiosität hielt lange Zeit die frommen Kreise zurück. Erst 1873 verlor
die Universität ihren konfessionellen Charakter und gestattete diie Prüfungen