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Das messianische Gastmahl der Gerechten in einer
hebräischen Bibel aus dem XUI. Jahrhundert.
Ein Beitrag z\ 1 x eschatologischen Ikonographie bei den Juden.
Von Zof ja Ameisenowa (Krakau).
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Gib t es e i n e j ü d i s c h e Ik o n o g r a p hie ?
Die Erforschung der jüdischen Kunstdenkmäler/ bis un«
gefähr in das 19i Jahrhundert hinein 7 bringt dem Kunstwissen«
schaftler sicherlich keine ästhetischen Erlebnisse von solch
hoher Spannung, wie es ihm die Betrachtung und das Er«
schließen der plastischen Erzeugnisse anderer Volksgemein«
schäften liefert.
Doch haben die Studien über die bildende Kunst bei den
Juden, welche länge vernachlässigt und erst neulich durch paar
hartnäckige Spezialisten wieder ans Licht gezogen wird, einen
eigenartigen Reiz. Sie haben ihn deswegen, weil sie in ein jung* ־ •
frauliches ■■ ׳ Gebiet■ führen/ in welchem dem Forscher wunder«
liehe, manchmal ganz unerwartete Funde zuteil werden.
So entzückte, elektrisierte unlängst die ganze interessierte
Gelehrtenwelt — Archäologeri, Kunstwissenschaftler, aber auch
Religiöris« und Kulturf bischer — die Nachricht von den im
Sommer 1933 durch die amerikämseh«französische Expedition*
in der Synagoge zu Dura ״ Buropos am Euphrat entdeckten
prachtvollen Wandmalereien 1 . Diese Malereien/ 244/245 n. Chr.
datiert, von einem Priester Samuel gestiftet, welcher auch ihr
geistiger Anreger zu sein scheint, deren außerordentliche Be ״
deutung schon heute feststeht, aber vor der Publikation des ge«
sätnten Materials in guten, farbigen Abbildungen kaum richtig
einzuschätzen ist, stellen jedenfalls das Problem der Quellen
der altchristiichen ünd byzantinischen Malerei in ein ganz
neues Licht.
Die Malereien in Dura enthalten fast den ganzen Bilderkreis
dieser Motive, an welchen die Juden Jahrhunderte, ja Jahr ״
1 Du Buissan du Mesnil, Camte: Les pein-tur.es de la synagogue de
D l oura ״ Europos. Revue biblique, 1934, S. 105—119. PL III, V.
Monatsschrift 79. Jahrgang
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