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Die Messianische Hütte in der jüdischen Kunst.
Von Rahel WiscKnitzer-Bernstein.
Das Motiv der messianischen Hütte hat seine Ausgestaltung
im Machsor für Sukkot erfahren. Der Liturgiker verherrlichte
das Gebot des siebentägigen Verweilens in den Laubhütten
durch Herstellung einer ideellen Beziehung der Sukkot zu den
Wolkensukkot des Exodus (Im Maarivgebet des
2. Festtages). Die Entsprechung war bereits in Lev 23 43 vorge-
bildet 1 . Eine besondere typologische Bedeutung gewann aber
erst die Entsprechung, die für die Sukka in der Sukkat Da-
v id gefunden wurde (Jozergebet des 1. Festtages), weil die Ver-
heißung der Wiederaufrichtung der ״verfallenen" Hütte, nach
Arnos 9 llr zur Anrufung des Messias aus Davids Hause hinüber-
leitete und weil die Hütte selbst als der von Salomo auf Davids
Geheiß erbaute Tempel, nach 2. Chron. 3 17 aufgefaßt wurde.
Der typologische Kreis schließt sich mit dem Bilde der Hütte
des Paradieses der Vorzeit, der Sukkat Eden (Maarivgebet
des 2. Festtages). Aus der Urzeit in die Endzeit projiziert, wird
die Paradieshütte in die Hütte der Frommen im messi-
anischen Zeitalter umgewandelt. Die Verknüpfung der
Laubhütte des Festes mit der messianischen Hütte vollzieht sich
im Machsor in dem Sinne r daß die Beobachtung des Laubhütten-
festes den Anteil an der messianischen Hütte sichert (Maariv-
gebet des 2. Festtages). Der Gerechte, dem das künftige Leben
verheißen ist, ist im Machsor Sukkot niemand anderes als eben
der Fromme, der das Laubhüttenfest vorschriftsmäßig begeht.
So erscheint das uralte Fest, einst ein die Regenzeit ein-
leitendes Fest, ein Fest der Weinernte, der Herbst-Tagundnacht-
gleiche, ein Naturfest 2 , in der Liturgie, als eine Vorstufe der
ewigen Seligkeit, die in der Paradieshütte der Frommen im
messianischen Zeitalter genossen werden wird.
1 Nach Sukka 11b bestanden die ״Hütten“ Lv 2343 aus ״Wolken der
göttlichen Herrlichkeit“.
2 H. Torczyner, Die Bundeslade und die Anfänge der Religion Israels,
Kap. X: Sukkot und Mazzotfest, 2. Auflage 1930; M. Grunwald, Zur Vor-
geschichte des Sukkotrituals, Jahrb. f. jüd. Volkskunde, 1923.
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