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Michael Guttmann
dert sittliches Verhalten von beiden Ehehälften; Bei der Frau
eines unsittlichen Ehemannes bleibt das Ordal unwirksam. Darauf
gründete sich im wesentlichen die Aufhebung des Ordals. —
Nicht unerwähnt sollte auch die Legende von den zwei
Schwestern bleiben, die darauf ausgingen, die Wirkung des
Ordals zu umgehen (Num. r. 9, 9 Ende; Tanch. Nasso :6, ed.
B. 10). Die schuldige und beschuldigte Ehefrau sucht Hilfe bei
ihrer ihr ähnlich sehenden Schwester. Diese letztere, im Be״
wußtsein ihrer eigenen Unschuld, unterstellt sich dem Ordal und
kommt heil davon. Als sie aber von ihrer schuldigen Schwester
empfangen wird, wird diese letztere von dem Hauch der Un״
schuldigen getötet. Die Wirkung des Ordals überträgt sich kraft
des Schriftwortes (Koh. 8 S ) auf die Schuldige. Man vgl. dem״
gegenüber den krassen Ordalcharakter bei Isolde, der es trotz
begangener Untreue gelingt, durch geschickte Zweideutigkeit
das Ordal glücklich durchzumachen. Näheres bei M. Bauer,
Liebesieben in deutscher Vergangenheit, Berlin 1924, S. 49 ff.
Die Darstellung W.s zeichnet sich durch Klarheit, Übersicht״
lichkeit und Genauigkeit aus.
The Doctrin of the Mess iah in Medieval Je״
wish Literature By Joseph Sarachek, D. H. L.
Author of ״The History of the Anti״Maimonidean Controversy“
New York Jewish Theological Seminary of America 1932.
Sarachek hat auf breiter Grundlage die Entwickelung der
messianischen Idee bei den jüdischen Denkern, insbesondere
Philosophen des Mittelalters verfolgt. Verfasser betont im Vor״
wort, daß er nicht das ganze Mittelalter und auch nicht den
ganzen Kreis von Autoren berücksichtigt hat, die um die Ge״
staltung des messianischen Begriffs tätig waren. Ihm war es
darum zu tun, einen geschlossenen Bericht zii erstatten über den
lehrhaften Gehalt der messianischen Idee, über messianische
Exegese, Poesie und Apologetik. Er hielt es daher für aus״
reichend, mit Saadia zu beginnen und mit Abrabanel zu
schließen. Allerdings kam bei S. das mystisch״eschatologische
Moment nicht ganz und voll zur Geltung. Verheißungsgemäß
hat sich die jüdische Messianität schon im, Diesseits auszu״
wirken, doch ist sie ihrem innersten Wesen nach eschatologisch