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Zur , wissenschaftlichen Talmudpflege in der neueren Zeit 427
orientiert. Denn die messianische Diesseitsepoche soll eben
keine rein geschichtlich determinierte Zeitwende sein, kein Pro-
dukt n a tu rgdrhäßer Gesellschaftsverbesserung, sondern
eine gottbegnadete Epoche reinster Segensfülle, frei von Kampf
und Not, von Anfeindung und Gegnerschaft. — Der Messianis-
mus wird vom früh jüdischen Schrifttum ganz transzendent be-
griffen und aus dem Rahmen menschlich-politischen Tuns und
Schaffens weit hinausgehoben. Damit ist auch der inner-
jüdische Charakter der prophetisch-traditionellen Messiasidee
gegeben; sie ist mit dem Um weit Schicksal des Judentums innigst
verbünden, mit den religiös-sozialen Anfeindungen der Umwelt:
wie soll ihm da gerade von der Umwelt her auch die Hilfe
kommen? Das steht im Mittelpunkt des Problems, und darin
ist auch der naturgegebene Unterschied zwischen jüdischem
Messianismus und christlichem Erlösertum niedergelegt. Auf
der einen Seite ist Weltfrieden das Endziel, auf der andern Er-
lösung von der Erbsünde und Seelenheil. Zu vgl. ist hierzu die
klare und inhaltsvolle Einleitung. Das Werk Saracheks füllt
eine empfindliche Lücke in der Fachliteratur aus.
Im Zusammenhang damit ist auf zwei weitere Erscheinun-
gen über messianische Texte und Parallelen hinzuweisen: L e s
P r o p heties Messianiques de L’A n c i en Testa-
ment/dans 1 a L i t e r a t u r e J.uive en accord avec
1 e N o u v e au T estament. A v e cunelntroduc t i o n
sur la literature messianique juive apocryph,
targumique, midrachique, zoharique et rabbi-
nique, par Jean 'Brie.rre-Narb.onne. Paris Librairie
Orientaliste Paul Geuthner, 13, rue Jacob, 13 (VI e ) 1933.
Vom selben Verfasser: Exegese Talmudique des
Propheties Messianiques, Paris 1934.
Im erstgenannten Werk stellt Brierre die jüdischen Messiastexte in
Parallele zu den Messiastexten des N.T V g־ibt nach einer kurzen literarischen
Einleitung die altt. Messiastexte in synoptischen Tabellen, um den Paralle-
lismus zum N.T. augenfällig erscheinen zu lassen. Tatsächlich aber ver«
mag kein synoptischer und kein philologischer Apparat die Verschiedenheit
der beiden Messiasbegriffe zu überbrücken. Sie sind von Haus aus ver-
schieden. Der jüdische Messiasbegriff ist mit der jüdisch-umweltlichen
Tragik verbunden,, der christliche streng mystisch orientiert und dogmatisch
festgelegt.
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