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Kein Begriff war von jeher grosserem Missverstand-
וו isse ausgosetzl, als der Begriff Goit, und mit keinem
Begriffe wurden seil, undenklicher Zeit ärgerer Missbrauch
getrieben, als mit dem Begriffe Gott. In dem Missver-
ständnisso reichen die orthodoxeste Gläubigkeit und die
kalte UngULubigkeit einander die Hand; Meister Hegel
und seine Jünger nehmen in Gott einen anthropologischen
Begriff wahr, Gott wird erst durch den menschlichen Geist
zur Wirklichkeit erhoben, die starrgiiiubige Orthodoxie
legt sieh ebenfalls einen Gott nach ihren' Anschauungen
zurecht, bildet einen Gott ״ ihrer Gedanken Werk.“ In
dem ]Missbrauche, da gehet sie weit über jede Specula-
tion hinaus: sic lullt es für ihre Aufgabe, was sie als
Wahrheit erkannt, zum Gemeingute der Menschheit zu
machen, vermeint sieb berufen, im Namen des von ihr
erkannten Gottes auf Erden zu wallen. Sie hat einen in
seiner Art einzigen Fanatismus, sie will um jeden Preis
beglücken und erblickt in dem, der gegen dieses Beglük-
ken unempfindlich, einen Feind. Welch sonderbares Be-
glücken im Namen Gottes, der seine Liehe über Gute
und Böse verbreitet; wie verkehrt, über den die nicht
verlangte Gabe Zurückweisenden die Schale des Hasses
und der Zurückstossnng auszugiessen! Unserer Zeit ent-
lockt folgende Erzählung des Beglückungseifers ein La-
cheln. Ein König von Neapel, dem die Juden beharrlich
und aufopfernd gegen seine Feinde beigestanden, empfahl
sie auf seinem Sterbebette der Gewogenheit seines Sohnes.
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