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Recensionen.
Absicht und gegen den Willen Neuchlin's dem Streite eine ernstere Wen-
düng; sie wollten daraus Kapital gegen Mönch- und Pabstthum schlagen,
und das ist ihnen weidlich gelungen. Noch weiter auf das Detail der Dar-
stellung einzugehen, würde uns zu weit führen. Nur auf die Caprice
sei noch hingewiesen, daß nach Hrn. D1\ Geiger die Juden bei. diesem
Streite um ihre vitalen Interessen theilnahmlos geblieben wären, ja kaum
etwas davon gewußt hätten. Diese Annahme, unwahrscheinlich auch wenn
die Quellen schwiegen, ist völlig kapriciös gegenüber den: reichen wenn
auch nicht ganz lautern Zufluß der Quellen. Der Stil des Buches ist
weder knapp noch schwungvoll; das Strombett, in den: sich der Fluß
der Gedanken fortbewegt, ist mehr breit als tief. Die Darstellung beruht
wenn wir von den altern Büchern absehen, besonders auf Strauß's Hutten
und auf dem 9. Band der Graetz'fchen Geschichte der Juden. Von
Graetz wird an der Spitze des Buches gesagt, daß er die Pfefferkorn-
Schriften zuerst benutzt hat, aber seine Auffassung sei parteiisch und die
Jrrthümer zahllos; daß aber Graetz die wichtigsten Daten zuerst aufgesunden
hat, steht in einigen versteckten Noten bei Geiger. Dies Verfahren hat natürlich
nicht unfern Beifall. — Die Ausstattung ist vortrefflich. Der Druck ist nicht
ganz frei von Fehlern. So wird z. B. in einer ziemlich überflüssigen
Anmerkung S. 112 אנפה von יאף abgeleitet. Oder ist das vielleicht
gar kein Druckfehler? R
sen sein. Bei dem Hadrian, den Geiger substituiren will, hat dieser Bezie-
Hungen zum deutschen Stamme gar nicht nachgewiesen, er war ein guter
Freund Reuchlin's, aber eben deswegen scheint die intercessio Huten's sehr
überflüssig. Zudem beweist Pirkheimers Brief, daß Adrian v. Utrecht in
Beziehung zu den deutschen Humanisten gestanden hat.
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