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Monats chronik.
Schicksal wohl nicht entgehen oder sind jetzt vielleicht schon
hingcrichtct. — Aclinlichc Excesse und Anwendung der Folter
finden auch in Tetuan und an anderen Orten statt. Indessen
hat M. Montefiorc bereits Schritte bei dem Minister des Aus-
wärtigen, Lord Kussel, gethan, und Baron Rotlisriiild die Hülfe
der französischen Regierung in Anspruch genommen, und es
steht wohl eine Abhülfe dieses barbarischen Verfahrens zu er-
warten.
Russland. Aus den russischen Ostsee-Provinzen wird he-
richtet: Die Bedrückung der Juden nimmt fortwährend zu, der
Ober-Polizeimcistcr von Riga hat, laut öffentlicher Bekanntma-
chung, den Israeliten den Besuch von Restaurationen und IvafTee-
häusern untersagt.
Wien. An die Stelle des verstorbenen Stöber, Professor der
Kupferstechkunst an der liies. Acadeinie der bildenden Künste,
ist der Kupferstecher Louis Jacobv aus Berlin berufen. Der,
Ernannte ist der erste Jude, der an der Acadeinie der Künste
lehren wird.
Würtcmberg. Nach einem im Jahre 18(51 beschlossenen Ge-
setz hatten bereits die würtembergisclien Israeliten das Bürger-
recht, welches ihnen die Verfassung versagte, erhalten. Die
Gesetz-Commission des Abgeordnetenhauses geht nun einen
Schritt weiter, indem sie den Antrag stellt, hinffiro den Israc-
liten alle politischen Rechte zu bewilligen und dieselben den
anderen Wärt ein bergen! vollkommen gleichzustellen. Ausser-
dem schlägt die Commission mit 5 gegen 4 Stimmen vor: Ab-
Schaffung des Judencidcs, Gültigkeit der Civilehc zwischen Ja-
den und Christen, und vollständige Gleichheit bei der Verthei-
lung von Unterstützungen.
13 er i c 11 ti g u n g.
Voriges lieft S. 484, Zeile 8, ist zu lesen: ״aber nichtsdestowem-
ger muss es gerade jetzt u. 6. w. auf ein jüdisches Herz wahr-
haft wohlthuend wirken, einer echtjüd. Brust u.8. w. u