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MhLiÄmgeii,
Der geschichtliche Hintergrund des Kundert und
neunzehnten Mal'mes.
Der 119. Psalm sticht bekanntlich so sehr gegen die übrigen
Psalmen ab, daß er gewissermaßen ein eigenes Genre bildet.
Er klingt nicht wie ans dem Ringen und Kampfe des frischen
Lebens, sondern wie aus dem engen Gesichtskreis der Klosterzelle
oder Bet-Hamidrasch-Klanse heraus. Er hat nur noch mit dem
ersten Psalm, allenfalls auch mit dem letzten Theil des 19. und
den Psalmen 111 und 112 einige Verwandtschaft. Man könnte
diese Psalmen sopherische nennen, in sofern sie das beschau-
liche Leben des Schriftgelehrten reflektiren, wie der Spruchdichter
Sirach es schildert (38, 24; 39, 12), ״die Weisheit des Sopher
(y£a/.(,uam)c) ist in der Behaglichkeit der Muße und wer sich
wenig mit Werkthätigkeit befaßt, wird weise ... er rühmt sich
im Gesetze des Bundes" (ev v6{1(p ätaöfjxy: avra xaux^ffsmi).
Das Gesetz, die Thora, und die Beschäftigung damit, bilden den
Grnndton dieses Psalmes. Der Psalmist rühmt sich, daß er
das Gesetz begreifen, sich in dasselbe vertiefen kann (V. 7, 18,
54, 97, 125, 135 und andere). Um Mitternacht steht er auf,
nur Gott für seine gerechten Satzungen zu danken (V. 62). Der
sopherische Charakter des Psalmes schließt von vorne herein die
Armahme Hitzig» aus, daß der Hohepriester Jonathan ihn wäh-
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