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Analekten.
lichen Geschichtsschreiber lassen nicht zu, und können auch üi der
That irgend eine Prüfung der religiösen Quellen nicht zulas-
sen. Wenn man es begriffe, würde man aufhören es zu glau-
den. Die weltlichen Geschichtsschreiber, freier auf ihrem Wege,
untersuchen vernunftgemäß diese Quellen, nachdem sie sie wissen-
schaftlich studirt haben. Aber die Urkunden dieser Epoche kön-
neu nicht ohne eine gewisse Schwierigkeit befragt und nicht ohne eure
gewisse Methode verwandt werden. Abwechselnd gefälscht durch
die jeweilig triumphirende Partei — voll von theologischen Be-
Hauptungen, die den Thatsachen der Geschichte, den Gesetzen der
Natur und der gesunden Vernunft widersprechen, — diese Ur-
künden, vermischt also mit trübenden Stoffen, sind sie Gährungs-
mittel des Mysticismns geworden und Werkzeuge der Unterjoch-
ung. Nachdem man nun aufs Genaueste dieses Hexengebräu
untersucht, nachdem man seine Bestandtheile gesondert, nachdem
man einen jeden von ihnen zersetzt und zertheilt hat, nachdem
man die edlen Stoffe, welche die Lockspeise bilden, von den
schlechten, welche die Gefahr bilden, gesondert hat, ist endlich die
Hoffnung gestattet, daß nun, da diese Quellen so geläutert sind,
sich ein durch sie fruchtbar gemachter Weg finden und dieser Weg
wohl der sein werde, den die Wahrheit bisweilen besucht.