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120 Ein Wort über das jüdische Gebet.
״ שליח צימר dem Gesandten, dem Vertreter der Gemeinde",
dem Vorbeter für die ganze Versammlung gesprochen, die beim
Schlüsse einer jeden Benediction in den Synagogen mit ״ Amen"
einfiel, im Tempel aber, wo man sich vielleicht zu einer Zeit beim
Gebet der Aussprache des Gottesnamens, des Tetragrammaton
bediente, in Rücksicht auf diese Aussprache mit den Worten:
״ Gepriesen sei der Name der Herrlichkeit seiner Majestät für und
für". Mit diesen Worten fiel auch die Gemeinde am Ver-
söhnungstage ein, als der Hohepriester diesen Gottesnamen, das
Tetragrammaton, aussprach, und zu einer Zeit bildete sie wohl
auch das Responsorium der Gemeinde auf den vom Vorbeter
gesprochenen Vers: Höre Israel . . .; denn dieser Abschnitt
wurde wohl einst, wie es aus einer alten Quelle hervorzugehen
scheint, versweise abwechselnd vom Vorbeter und der Gemeinde
rezitirt, und liegt der Ausdrucksweise ״ (! סמך) פרוס על שמע theilen
Schema" diese Rezitationsart zu Grunde.
Das Gebet für den Sabbat, die Fest» und Fasttage mußte
sich freilich nach der jedesmaligen Bedeutung des Tages vom
Gebete für die Werktage unterscheiden» da Ton und Inhalt der
für die gewöhnlichen Tage geeigneten Gebete für die höhere,
weihevollere Sabbat- und Feststimmung unangemessen, für die
der Buße gewidmeten Faststage unzureichend erschienen, und so
wurden für die gewöhnlichen Tage 18 Benedictionen angeordnet,
die darum auch , ״ שמנה עשוד achtzehn" genannt wurden, für Sabbat
und Festtage 7, zum Theil 9, für die Fastentage 24, indem zu
den täglichen 18, noch 6 hinzutraten. Die drei ersten einleitenden
und die drei letzten abschließenden Segenssprüche wurden immer
beibehalten. Für gewisse Fälle wurden die in der Mitte sich be-
findenden 12 Benedictionen des täglichen Gebetes in Einen
Segensspruch zusammengefaßt, in das kurze anmutende Gebet
וזביניגי , und zuweilen wurden noch kürzere Gebete gesprochen, von
denen folgendes, das zum Theil an das neutestamentliche.