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Besprechungen.
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mitisch anzuerkennen sei. So besitzt das Altarabische ausser den meisten
feinen Unterscheidungen benachbarter Artikulationen (wie z. B. doppeltes
ח und doppeltes ע ) noch ursprüngliche Diphthonge, eine fast vollständige
Unversehrtheit des Spiritus lenis, eine weitreichende Selbstbewahrung
A7 0 n u-w gegenüber i-j, vocalisehe Auslaute bei der 3, Person sing, masc.
perl und imperf. ( qatala s jaqtulu), eine ausgedehnte Beachtung des
Duals, den weitesten Gebrauch der Modi und der Casusendungen usw.
Die anderen semitischen Sprachen haben manche dieser Züge bewahrt,
aber doch viel Primitives eingebüsst. Der Yerfasser geht wie gesagt alle
diese Sprachen durch, wir aber beschränken uns auf das Hebräische,
das uns hier am meisten interessirt. Hier haben z. B. ״ die Kehllaute
ihre Spuren nur wenig eingebüsst, aber u-w ist in grossem Umfange zu
i-j erleichtert (trotzdem u-w als erster und dritter Stammconsonant
noch oft vorkommt). Ebenso sind die Diphthonge vereinfacht, die Vocal-
töne am Auslaute verschwunden (vgl. z. B. und י 0 ?נל gegenüber
facala und jafcalu) 7 das Dual beim Yerbura und die Casusendungen beim
Nomen bis auf wenige Reste (vgl. z. B. חיתו ארץ I M. 1, 24; גנבתי רום
ib. 31, 39 ns ־ w.) nicht mehr vorhanden usw. usw. Die historische Sprach ־
erklärung in der hebräischen Grammatik hat also nach König von den
in jedem Palle entsprechenden Formen des Altarabischen auszugehen und
nicht umgekehrt. Diese Priorität des Arabischen, besonders vor dem
Hebräischen, hat zuerst 8chultens ausgesprochen, und sie hat im Laufe
der Zeit Anklang und auch Widerspruch gefunden. Trotzdem sie aber König
jetzt auf neue Grundlagen stützt, wird sie doch noch lange die Herrschaft
nicht erlangen. Man beachte besonders die wertvollen Ausführungen Nöl-
cleke’s, die König selbst (p. 56) anführt. Nach Nöldeke ״ hat das Arabische
allerdings vieles treuer bewahrt, als die Schwestersprachen“, anderer ־
seits aber ״ hat es wieder eine grosse Anzahl von Bildungen nach ein-
fachen Analogien durchgeführt“, so dass der grössere Reichtum des
Arabischen zum Theil erst selbstständig erworben ist.
Damit ist der positive Teil des Buches erschöpft. Es folgen nun
״ negative Untersuchungen zur Geschichte der semitischen Sprachen“
(p. 57—121). So verneint zunächst König die Frage, ob nicht etwa das
Altarabische den Typus des Ursemitiscben darstelle (p. 57—70). Dies ist
unmöglich, weil auch diese Sprache trotz ihrer Priorität doch in viel ־
fach er Hinsicht sich als secundär ei weist. So ist die Bildung des
Causativs durch einen Spiritus asper, d. h. durch ein h (wie im Hebr.
הפעיל ) primärer als dureh ein a, wie es im Arabischen geschieht
Caqtala ), und zwar deshalb, weil dieser Stamm anderwärts auch durch
ein Sibilant, der dem h näher steht, als dem <z, gebildet wird (so z. B.
im Assyrischen suksud) usw. Weiter wird (p. 70—79), und mit Recht,
die Theorie Hommels, der dem Assyrisch ־ Babylonischen a als einem ost-
semitischen Zweig, Syro-phönicisch ־ arabisch, als Westsemitisch, ent ־
gegenstellt, widerlegt. Diese Theorie erweist sich schon dadurch als
falsch, weil zwischen dem Assyrisch-Babylonischen und dem Phönicisch ־
Hebräischen sich in vielfacher Hinsicht eine innere Beziehung wahmehmen
lässt. So heisst ״ ich“ im Assyr. ' anäku, im Phönicischen אנה (ebenso in
den aram. Inschriften von Zengirli) und אנכי , im Hebr. אנכי (neben
späterem אני ), im Arab. dagegen ׳־ anä und ähnlich im Syrischen ’ena.
Nebenbei wird auch eine andere, sonderbare Theorie Hommel’s, nämlich
״ dass die Hebräer in der Zeit zwischen Abraham und Josua einen rein
arabischen Dialekt sprechen“ in einem besonderen ausführlichen Excurs
(p. 79—95) zurückgewiese-n. — Weiter bespricht der Ve>rf. (p. 95—109)
die Beziehungen des Arabischen zum Aramäischen. Er bekämpft zuerst