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Das Judenthum im neutostamentl. Zeitalter in christl. Darstellung. 249
mocht, die ״Jagd nach dem Glücke“, wobei in dor Iiogcl
mehr verloren als gewonnen wird, nicht mitzumachen,
sondern sich auf sich und seinen Besitz zu besinnen. Das
Wesen des Judenthums liegt also diesseits der ״Brücke“.
Wie Vieles dagegen ist über diese ״Brücke“ in das Christen*
thum eingezogen, das aufgeklärte Forscher wegwünschen
mögen, ohne mehr tlnin zu können, als sich darum herum-
zudrücken. Hnrnack beschliesst sein Buch (Die Mission u. s. w.)
S. 546 mit den Worten: ״Die Gründe für diese erstaunliche
Verbreitung haben wir zu entziffern versucht: sie liegen in
dem Kern der neuon Religion (dem Monotheismus und dem
Evangelium) einerseits, in ihrer Vielseitigkeit und wunder-
baren Anpassungsfähigkeit andererseits“״ Ich möchte*dagegen
glauben, dass es das sogenannte Athanasianische Symboium
gewesen ist, das . die erstaunliche Verbreitung der neuen
Religion begünstigte, jenes Symboium Quicunquo, das die
Dreieinigkeit" und die Menschwerdung Gottes zum obersten
Grundsatz erhob. Angesichts desselben hat das Judenthum
darauf verzichtet, an dem Zug über ,die ״Brücke“ theilzu«׳
nehmen. Es ist deshalb auch nicht Weltreligion geworden,
aber es ist eine auf sich selbst beruhende Welt, die allen
Stürmen trotzt.
Die Vorlesungen ß. |Carnacks über Das Wesen Des
Christenthnms.
Besprochen von Dr. J0S. EsefielbacheP,
(Fortsetzung).
Aus dieser Tendenz heraus worden
uns Stellen verständlich, wie ״ Ihr habt gehört, dass gesagt
ist: ״ Du Rollst (deinen Nächsten lieben und) deinen Feind
hassen ״ • Ein solches Gebot ist nie gegeben worden, weder
vom Alten Testament, . wie der WortLaut dieses Spruches
annehmen lässt, noch auch von. den Schriftgelehrten, wie
christliche Gelehrte zur Verteidigung dieses auffallenden
Spruches glaubten annehmen zu dürfen.
Ein Satz der mosaischen Gesetzgebung ist allerdings
das Wort ״ Auge um Auge, Zahn um Zahn“ 1 )• Aber seine
Form und der Zusammenhang, in dem es steht, lassen mehr
2 (י B. M. 21, 24. 3. B. M. 24, 20. 5 B. 19, 21.