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Sie Wissenschaft Des JnDentnms 1 ).
Von S, May bäum.
Vor zehn Jahren, am Tage der Jubelfeier des fünf-
undzwanzigjährigen Bestandes der Lehranstalt für die
Wissenschaft des Judentums, hat der hochbetagte Ehren-
Präsident unseres Kuratoriums, Herr Sanitätsrat Dr. Salo-
mon Neumann, der heute sein 88. Lebensjahr vollendet,
überrascht und tief bewegt von der stattlichen Versamm-
lung, die sich damals um ihn schaarte, ausgerufen : »Ge-
lobt sei, der die Zeiten ändert U< Denn während der 60
Jahre, auf die er damals in unserer Stadt zurückblicken
konnte, hatte Berlin eine solche der Wissenschaft des
Judentums gewidmete Versammlung nicht gesehen. Heute,
wo unsere Lehranstalt das eigene Heim bezogen hat, das
wir im Angesichte dieser hochansehnlichen Versammlung
weihen, darf ich wohl den Ewigen, »der die Zeiten ändert«
mit den Worten preisen, die.einst König Salomo bei der
Einweihung seines Tempels gesprochen: »Gelobt sei der
Ewige, der Gott Israels ; . . . was er mit seinem Munde
verheissen, das hat seine Hand verwirklicht.« 2 )
Denn unserer Lehranstalt erging es wie dem Tempel
des Ewigen. Als König David den Plan faßte, der Bundeslade
des Ewigen, die nur unter einem Teppich weilte, einen
Tempel zu erbauen, da sprach zu ihm der Ewige durch
den Mund des Propheten Nathan : »Warum willst du mir
1 J Festrede beider Einweihung des eigenen Heims der Lehranstalt
für die Wissenschaft des Judentums in Berlin (19. Oktober 1907).
2 ) I. Könige 8, 15.
Monatsschrift, 51. Jahrgang.
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