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Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten.
zahlreichen deuischen und ausländischen Zeitungen den Text der
Zeitung zurecht zu machen. Die Spenersche Zeitung der genannten
Jahrgänge besteht also im wesentlichen aus solchen Ausschnitten
und Übersetzungen, aber es ist gar kein Zweifel, daß kleine geist-
reiche und satirische Bemerkungen, sowie auch manche der be~
rühmten Zunz-Witze sich in diese Ausschnitte eingeschlichen
haben. Wegen der strengen Zensur, die selbst die unschuldigsten
Nachrichten über deutsche und ausländische Potentaten verbot,
und die die Redakteure zwang, mit Neuigkeiten äußerst vorsichtig
umzugehen, würde es sich trotzdem feststellen lassen, daß die
liberale Anschauung des Zeitungsschreibers in kleinen Notizen
durchschimmerte. Es wird allgemein angenommen, daß Zunz seine
Stellung an der Spenerschen Zeitung aufgab, weil er es nicht
über sich gewinnen konnte, gegen die Polen aufzutreten, wie der
Besitzer der Zeitung verlangte, während er den Freiheitskämpfen
dieses Volkes die größte Sympathie entgegenbrachte.
In inneren deutschen Verhältnissen bewährte er sich durch-
aus als Demokrat. Im Jahre 1848 war er geradezu Revolutionär.
Es hat sich ein Brief an seinen Freund Ph. Ehrenberg erhalten,
worin er eine genaue Beschreibung der Märztage gab und seine
unbedingte Neigung für die Aufständischen bekundete. Reden
aus jener Zeit drücken seine unbedingte demokratische Gesinnung
aus. Die Reaktion ernüchterte ihn und führte ihn aus den Ge-
filden der Politik fort; die neue Aera fand ihn wieder unter den
Liberalen (eine ganze Anzahl wichtiger Wahlreden und politischer
Ansprachen ist in den Ges. Sehr. Band I, S. 301—354 gedruckt).
Trotz der liberalen Gesinnung war Zunz während seines
ganzen Lebens nicht ein Unentwegter in dem Sinne, daß er sich
beständig von den Großen der Erde zurückzog. Zwar war und
blieb er der Dr. Zunz. Er erhielt weder Titel, noch Orden. Ob
er solche gern begehrte, ob keinerlei Anstrengungen seitens Be-
freundeter gemacht wurden? Diese Fragen scheinen mir nicht
unbedingt verneint werden zu müssen. Wenigstens gibt es
Äußerungen in seinen Briefen, die darauf hindeuten, daß er recht
gern solche Auszeichnungen erhalten hätte. Allerdings ist es