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312 Die Darstellung d. Jud. i. deutsch. Roman d. zwanzigst. Jahrhund.
durchaus nicht unbedingt erfreut darüber — ja ich erblicke eine
gewisse Gefahr darin. Wenn der deutsche Geist ästhetisch im
Allgemeinen zu schwerfällig ist, so ist der jüdische, wie überhaupt,
so in Dingen des Geschmacks, der Kunst zu beweglich . . . Die
Juden drängen mit wenigen Ausnahmen immer nach links . . .
die Juden, obwohl in ihren Kreisen am frühesten umfassende
Versteher Goethes und auch der Romantiker waren, haben, und
niemand darf sie verständigerweise deswegen tadeln, Heine, den
Mann ihres Blutes erhoben 1 ) ... Ich sage beileibe nicht, daß
das deutsche Volk sich dem Dichter Heine hätte verschließen
sollen, weil er ein Jude war; ich erblicke vielmehr ein Symptom
nationaler Schwäche auch darin, daß gewisse Kreise sich gegen
diesen bedeutenden Dichter seiner Abstammung wegen aufgelehnt
haben . aber die Diktatur des Judentums in Sachen des deutschen,
literarischen Geschmackes ist nicht weniger eine Schmach des
Jahrhunderts als der Antisemitismus. Die Schuld daran trägt zum
großen Teil unser Adel . . der indifferent ist . . Wie das ein
Denkender unter der Herrschaft der Preßfreiheit übersehen kann,
ist mir unbegreiflich, aber die Juden und die Sozialdemokraten
übersehen es nicht.« Damit endet unser Interesse für das Buch;
die Schicksale und das Ende des »Prinz Kuckuck« sind für meine
Zwecke gleichgiltig.
l ) Varnhagen, Schm, (der anonyme Kritiker im Rhein.-westfäl.
Anzeiger, s. Strodtmami I, 200 u. Elster I, Einl. zum Buch d. Lieder),
Immermarm, Menzel u. viele and. waren nicht Juden.
(Fortsetzung folgt.)