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378 Besprechungen.
Stoff erstellt. Es war als naheliegend, diesen auch für die Synagogen
zu wählen. Der künstlerische Einfluß des deutschen Mutterlandes
zeigt sich bei den Emigranten, wie ich in meinen Arbeiten über-
zeugend nachzuweisen glaube, wohl nur im Kunstgewerbe, in der
bis auf romanische Urbilder zurückgreifenden Ornamentik und
Malerei, ־
Die in dieser polnischen Veröffentlichung in 22 Bildern an-
geführten I 7 Holzsynagogen verteilen sich auf die verschiedensten
polnischen Landschaften, und zwar: Krakauer Gebiet: Pili ca,
Sandomir: Przedbörz, Bogorya, Kalisch: Lutomiensk, Ma-
sowien: Hoch Masowieck, Sniadow, Jedwabno, Nasielsk,
Podlachien: Zabludow, Telaki, Sopoökinie, Litauen: Wolpa,
Suchowola, Jurburg, Wolhynien: Lanckorona, Ostropol.
Leider ist diese Wiedergabe interessanter Betschulen durchaus
lückenhaft und offenbar nur zufällig zusammengetragenes Material,
ohne alles System. Auch sind die Lichtbilder ausschließlich Auf-
nahmen des Äußeren und einzelner seiner Teile. Die überaus
reizvollen, die malerische Fassade künstlerisch wesentlich über-
ragenden Innenansichten fehlen leider gänzlich. Es dürfen noch
viele Jahre vergehen, bis die Forschung, unterstützt durch fried-
liehe Entwickelung des Landes, uns ein vollständiges Bild des
polnisch-jüdischen Sakralbaues liefern wird; daß dieses Material
aber von überwältigender Fülle sein dürfte, kann schon heute
angenommen werden. Immerhin ist diese Veröffentlichung schon
als ein beachtenswerter Schritt zu diesem Ziele anzusehen. Denn
einzelne der Yorgeführten Beispiele hat die Literatur bisher nicht
aufgeführt, wie Bogorya, Telaki und Sopodkinie. Die letztgenannte
Synagoge ist ein besonders wertvoller Typus des jüdischen Sakral-
baues; sie zeigt die von allen Auswüchsen der Dachform
bereits abgeklärte dreimal abgesetzte Mansardengestalt des Daches
und an der Westseite die — offenbar in Podlachien sehr beliebten
— rudimentären Turmansätze, auf die ich bereits früher hin-
gewiesen habe. Das auf gutem Papier gedruckte, schön aus-
gestattete Werk kann als wertvoller Wegweiser für das Studium
polnischer Baukunst, besonders für den Sakralbau des Landes,
warm empfohlen werden.
L. Grotte.