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lieh ist es ja für den Nicht-Einge¬
weihten nicht ganz leicht, zwischen
dem Arabien Ibn Sa'uds und dem
Arabien Karl May& den Trennungs¬
strich der tatsächlich vorhandenen
Realitäten zu ziehen. Darum ist es
doppelt begrüßenswert, wenn auch
einmal ein deutscher Autor sich mit
Arabien und seiner zentralen Figur
beschäftigt. Rupert Donkan ver¬
sucht in seinem, bei Wilhelm Gold-
mann, Leipzig erschienenen Buch
,jDie AuferstehungArabiens"
der Person des Wahabi-Königs ge¬
recht zu werden. Er tut es mit außer¬
ordentlicher Liebe, naht dem Pro¬
blem aber weniger als Forscher denn
als ein in sein Objekt verliebter Er¬
zähler. So entsteht ein für den Laien
aufschlußreiches Buch, das aber lei¬
der nicht allzu tief in das Problem
hinabgreift: ein Buch, das spannt, das
man wie einen Roman liest, wiewohl
es ein Buch der Geschichte dieser
Tage ist. Dabei zeichnet es nur De¬
tails aus dem großen Gemälde der
Auferstehung Arabiens. -
Auf einige tatsächliche Irrtümer sei
hingewiesen: die Behauptung, daß
„die internationale Hochfinanz" Lon¬
don die Balfourdeklaration entrissen
habe, ist ebenso unrichtig wie die,
daß Abdallah „König" von Trans¬
jordanien wurde. Anderseits ist ein
„Scheinangriff auf Irak und Meso¬
potamien" schon deshalb nicht mög¬
lich, weil Irak und Mesopotamien
zwei Bezeichnungen für die gleiche
Landschaft sind. 1933 gab es in Pa¬
lästina keine Kämpfe zwischen Juden
und Arabern. Recht verwunderlich ist
in diesem ruhigen, den Tatsachen im
allgemeinen entsprechenden Buch
eine etwas gehässige Kritik an dem
toten Lawrence, der für England weit
mehr geleistet hat, als der Autor zu¬
geben will. Unrichtig ist überdies,
daß „Ronald Storrs einem Sonnen¬
stich in Arabien zum Opfer fiel", da
Storrs später Gouverneur von Jeru¬
salem wurde.
Schließlich sei bei dieser Gelegen¬
heit auf . eine Eigentümlichkeit fast
der ganzen deutsch-geschriebenen
Arabienliteratur hingewiesen: auf die
falsche Transskription der arabischen
Namen, die oft ein und dieselbe Per¬
son derart verschieden bezeichnet,
daß man zweifelt, ob es sich um die
gleiche Person handelt.
Alles in allem aber möchte ich wie¬
derholen, daß das Buch einen guten
Einblick in eine Welt gibt, die dem
europäischen Leser fremd und mit¬
unter auch befremdend sein muß.
M. Ben GavrieL
Der Verfasser des Artikels über .Die Araberfrage" (im Februarheft)
übersendet uns folgende Erklärung:
„Die redaktionelle Vorbemerkung zu meinem Aufsatz ,Die Araberfrage' veranlaßt mich
zu einigen erklärenden Worten, ohne damit einer Diskussion, die ich sehr begrüßen
•würde, vorzugreifen. Es liegt mir sehr daran, festzustellen, daß ich weder hier noch in
einem meiner Bücher oder in den vielen Aufsätzen zur arabisch-jüdischen Frage
irgendeine Assimilation der Juden gefordert habe. Wenn ich auch stets für eine rest¬
lose Verständigung mit dem benachbarten semitischen Volk eintrete, lehnte ich stets,
im vollen Bewußtsein der Verantwortlichkeit, kulturelle, weltanschauliche oder religiöse
Angleichung ab. Was ich verlange, war und ist allein die Annäherung der beiden Völker
im Sinn der Erweckung eines gemeinsamen palästinensischen Raumgefühls als Vorstufe zu
einer pan-semitischen und darüber hinaus pan-asia tischen Einstellung. Dies möchte ich, um
alle Irrtümer auszuschließen, ausdrücklich feststellen." M.Y. Ben Gavriel (Jerusalem)
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