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MENORAH
Abendkleid aus weißem Samt, Fuchs¬
besatz
Evening-dress of white velvet
(Fortsetzung von Seite 20)
digen, übermütigen Molly. Ihr ausgelassenes
Temperament nimmt den armen Jungen oft zur
Zielscheibe. Aber auch die anderen haben unter
ihrer Spottlust zu leiden. Hat sie doch, als Chassi-
dim in männliche Gewänder -verkleidet, im Chor
der Chasen mitgesungen und dann den andern Sän¬
gern berauschende Getränke in Übermaß ausge¬
schenkt. Die ausgelassene Stimmung benülzte sie
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| „Osma", ehem. Werk G. m.b.H. 1
| Wien, IV., Margaretenstrafie 19 |
| Erzeugung von: I
1 OSMA 1
| feine Toiletteseifen 1
| OSMANIT ]
1 Alaunsteine |
I osmanor]
= Pudersteine |
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dann zu einem Shimmytanz mit dem Chassidim
und man lacht und freut, sich über den gelun¬
genen Scherz.
Am Abend vor der Hochzeit ihrer Kusine
führt Molly abermals einen tollen Streich auf, der
sich aber in ein Erlebnis von verhängnisvollem
Ernst verwandelt. Nachdem man ihr über die
religiöse Zeremonie bei der Trauung erzählt hat,
will sie sich den Vorgang vergegenwärtigen und
selbst Braut spielen. Sie legt Kran/, und Schleier
der Braut an und wählt den schüchternen Rüben
zum Bräutigam; hat sie doch oft genug bei Tisch
bemerkt, daß Ruhen mit schwermütigen, verlieb¬
ten Blicken nach ihr geschaut hat. Der fromme
Jüngling sträubt sich, diesen frivolen Spaß mitzu¬
machen, er wird aber verspottet und ausgelacht
und schließlich genötigt. Unter seltsamen Blicken
auf das junge Mädchen faßt er einen grimmigen
Entschluß. Das Hausgesinde spielt den Rabbi und
die Trauzeugen und die Hausmagd besorgt einen
Ring; Rüben ergreift Mollys Hand und schiebt
den Goldreif auf den Finger und spricht mit tiefem
E.rnst die vorgeschriebene Formel in heiliger
Sprache. Gleich darauf erschallen unter Lachen
die Rufe der Anwesenden: „Mascltow, Masel-
tow". Es ist geschehen, es ist geschehen. Durch
die lärmende Heiterkeit werden nun auch die
Familienangehörigen herbeigelockt und erkundigen
sich nach der Ursache. Doch als sie erfahren,
was hier geschah, verfinstern sich ihre Gesichter,
denn sie Avissen, daß das Ritualgesetz sich nicht
/u Scherzen mißbrauchen läßt. Die Trauung war
vor zwei Zeugen den Vorschriften gemäß er¬
folgt, so gilt vor Gott und der Judengemeinschaft
die Ehe als wirklich geschlossen und Molly ist
die angetraute Gattin Rubens, über dem sich nun
der Zorn des erregten Vaters und der Verwandten
entlädt. Bestürzt erkennt Molly das angerichtete
Unheil und bricht in Tränen aus, doch gibt sie
der Wahrheit die Ehre und gesteht ein, daß sie
allein an allem schuld sei und den armen Jungen
in der Tat genötigt habe. Zunächst will man die
wirkliche Hochzeitsfeier des nächsten Tage? nicht
stören. Mit dem üblichen Gepränge und der ge¬
wohnten Freudigkeit spielt sich das Hochzeitsfest
ab, aber Molly stiehlt sich immer wieder aus dem
lustigen Kreis und beweint es. daß sie die Gattin
eines Kaftanjuclcn mit Zierlocken ist. Was werden
ihre Freundinnen in New York dazu sagen?
Aber folgenden Tags wird vor dem Orts-
rabbi Gericht gehalten. Dieser kommt zu dem
Schluß, daß Rüben der rechtmäßige Gatte Mol¬
ly? geworden ist, aber er macht es Rüben begreif¬
lich, daß seine Tat moralisch verwerflich ist und
er die großen Sympathien, deren er sich als from¬
mer und gelehrter Jüngling erfreut hat. ver¬
scherzen werde, wenn er sich nicht zu einer frei¬
willigen Scheidung dieser Ehe bewegen lasse.
Weder Zureden noch Drohungen, noch Ver¬
sprechungen können aber Rüben bewegen, der
Amerikanerin die gewünschte Scheidung in ritu¬
eller Form zu geben. Der Vater ist zu einem Gcld-
opfer bereit, das Rüben Zeit seines Lebens aller
Sorgen entledigen würde, aber umsonst. Rüben
liebt Molly und gibt nicht nach.
Alle wenden sich entrüstet von Rüben ab, nur
der alte Menasche bleibt ihm gewogen und
nimmt ihn in sein Haus und schützt ihn vor den
Insulten der andern. Auf sein Zureden nimmt
Rüben die oft wiederholte Einladung eines
Pelzmantel aus Nerz, orgineIlc weile Ärmel
Fur-coat of Nerz wilh original wide
sleeves
reichen kinderlosen Onkels in Wien an, der schon
oft dem begabten Brudersohn seine hilfreiche
Hand bieten wollte. Der fromme Jüngling aber
hatte immer befürchtet, daß er in Wien die
ererbten Sitten aufgeben müßte und so hat er bis
jetzt das Anerbieten ausgeschlagen. Nun ist er
unter Menaschcs Anleitung zu der Anschauung
gereift, daß die äußere horm sich nach der Um¬
gebung richten müsse, wobei aber die F römmigkeit
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1 MODELLHAUS \
| Ida Reich it. Bruder, Wien |
% Toiletten für die vornehme Dame §
1 17., MarMhüfetstr :<>) /., Kanunerstr. 19 |
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