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M E N O R A H
gehoben hat, daß schließlich die Gleichberechtigung mit den christ¬
lichen Mitbürgern eine Selbstverständlichkeit wurde. Hat er für
sich das Recht in Anspruch nehmen können, ohne das Judenmal,
das gelbe Abzeichen am Hut oder Barett, ausgehen zu dürfen, so
hat diese Ausnahme den Wall durchbrochen, den Haß und Mi߬
gunst um das gesamte Judentum aufgetürmt hatten.
Ein jüdisches Musikfestin Palästina
Nachstehender Aufruf ist dem Leiter dieser Musikrubrik von
„The Palestine Musicians Association", der Vereinigung sämtlicher
ausübender Musiker Palästinas zugegangen. Es wäre erfreulich,
wenn diese Veröffentlichung dazu beitragen würde, alle für die
jüdische Musikkultur Interessierten zu tatkräftiger Mitarbeit zu
veranlassen.
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THE PALESTINE MUSICIANS ASSOCIATION
JERUSALEM
Das jüdische Volk ist gegenwärtig mit der Zustimmung
aller Kulturnationen der Welt im Begriffe, sich eine nationale
Heimstätte in Palästina, dem Lande seines Ursprunges, auf¬
zubauen. Hier will es die kulturellen Fähigkeiten, die in ihm
liegen, frei und unbehindert entfalten.
Im kulturellen Aufbau hat die Wissenschaft mit der Er¬
öffnung der hebräischen Universität in Jerusalem am 7. April d. J.
ein Heim gefunden — die Künste und insbesondere die Musik
stehen noch zurück.
Dies ist bei der bedeutenden Rolle, die die Musik im
jüdischen Leben spielt, ein unmöglicher Zustand, dem abge¬
holfen zuerden muß.
Von diesem Gedankengang geleitet, hat die unterzeichnete
Vereinigung, eine Organisation, die sämtliche Musiker Pa¬
lästinas umfaßt, beschlossen, für Ostern 1926 nach Jerusalem
einen allgemeinen jüdischen Musikerkongreß einzu¬
berufen. Gegenstand dieses Kongresses zuird unter anderem
sein: Errichtung eines Musikinstitutes an der hebräischen
Universität in Jerusalem, das von großer Bedeutung für die
Erforschung jüdischer und orientalischer Musik sein wird;
Förderung des allgemeinen musikalischen Erziehungswesens
in Palästina. Der Kongreß zuird aber auch die sehr wichtige
Aufgabe zu erfüllen haben einen Kontakt unter den jüdischen
Musikern der Welt herzustellen und sie und ihre Musik ein¬
ander näher zu bringen. Im Anschlüsse daran wird sich
Gelegenheit zur Erörterung über Entwicklungsmöglichkeiten
und Wege einer jüdischen Kunstmusik ergeben. Dabei wird
es für die Teilnehmer von besonderem Interesse sein, jüdische
Volks- und Synagogalmusik der verschiedensten jüdischen
Stämme, die alle in Jerusalem vertreten sind, kennenzu¬
lernen, sei es durch besondere Veranstaltungen, sei es in ihrem
natürlichen Milieu.
Zugleich mit dem Kongreß soll ein jüdisches Musik¬
fest stattfinden, das einen Überblick über die jüdische Volks¬
musik, das Schaffen jüdischer Musiker in der nichtjüdischen
Welt und insbesondere über jüdische Musik der Gegenwart
geben soll.
Für die Möglichkeit einer Besichtigimg des Landes werden
Vorkehrungen getroffen zuerden.
Die Aufgabe ist groß und die Zeit kurz. Wir bitten Sie
daher um Ihre Mitarbeit und bitten Sie, uns möglichst bald
mitzuteilen:
7. Ihre Zustimmung im allgemeinen.
2. Vorschläge zur Tagesordnung des Kongresses und zum
Programm des Musikfestes.
3. Sonstige Vorschläge.
4. Mitteilung der Adressen von Personen und Körper¬
schaften, an die zuir uns sonst noch wenden sollen.
Dr. M. Sandberg. M. Reiner.
Die Jahrtausend - Ausstellungen
der Rheinlande
Die vielen Beschränkungen technischer, finanzieller, persön¬
licher (Stifter) und räumlicher Art hemmen die wissenschaftliche
Bedeutung der Museen in peinlichster Weise. Kann der Fach¬
mann durch Reisen, Erinnerungsbilder und Photographien das
Fehlende auch bis zu einem gewissen Grade ergänzen, so ist dies
bei den Laienbesuchern weder zu verlangen, noch überhaupt
zu ermöglichen. Will man also Entwicklungen aufzeigen, Zu¬
sammenhänge herausarbeiten, Vergleiche ermöglichen oder auch
nur die Fülle des vorhandenen Materials vor Augen führen, so
muß man Sonderausstellungen veranstalten. Selbst diese vollstän¬
digen und nach großen Gesichtspunkten geordneten Unterneh¬
mungen werden, wegen äußerer Behinderungen (technischer und
leider oft auch persönlicher Art) und wegen innerer Unzuläng¬
lichkeit (mangelnde Vollständigkeit der Erhaltung oder der siche¬
ren Bestimmung), stets Stückwerke bleiben. Der Erfolg hängt
jedesmal von der Person des Leiters ab, der neben wissenschaft¬
licher Genauigkeit und Organisationstalent auch ästhetischen Sinn
besitzen muß. Die drei größten Ausstellungen im Rahmen der
Jahrtausendfeier der Rheinlande zeigen gerade in dieser Richtung
ein recht verschiedenes Gesicht. Aachen ist die kleinste und im
Gesamteindruck die unerfreulichste Schau, die viel zu wenig Wert
auf museumstechnische Gepflogenheiten legt. Düsseldorf ist die
vornehmste und wissenschaftlich zugleich die bedeutendste der
Ausstellungen, deren weise Beschränkung auf die letzten hundert
Jahre der heimischen Malerei die Meisterhand Koetschaus und
seiner Mitarbeiter in jeder Einzelheit verrät. Das größte Ausmaß
hat die Kölner Schau, die als Ganzes eine museale Leistung alier-
bester Art genannt werden darf. Bei der großen Anzahl der
Unterabteilungen war es wohl, vielleicht auch aus persönlichen
Gründen, nicht immer angängig, einen förderlichen Einfluß auf
die zahlreichen Abteilungsleiter zu nehmen, so daß neben aus¬
gezeichneten, auch direkt traurige museale Leistungen gezeigt wer¬
den. Im allgemeinen darf man sagen, daß die Qualität bei den
Theologen und Philologen diesesmal — wie stets — sehr gering
ist und sein muß, weil diesen Herren denn doch alle Eigenschaften
abgehen müssen, die für das äußere Gesicht xmd damit auch
für die Wirkung maßgebend sind. Allein die Vollständigkeit und
die wissenschaftliche Genauigkeit kann — wie z. B. in Aachen —
als Entschuldigung gelten. Die Notwendigkeit, weiteren Kreisen
Verständnis für die einfachsten Fragen der Museumstechnik zu
vermitteln, dürfte mit Rücksicht auf die zahlreichen jüdischen Aus¬
stellungen der letzten Jahre und auch der kommenden Zeit
(Gesola)*) erwünscht sein. Es mag auch auf die Notwendigkeit
hingewiesen werden, Zweck und Erfolg der historischen Sonder¬
schau für ähnliche jüdische Zwecke im Galuth und in Palästina
zu beachten. Die schwierigste Aufgabe wird es stets sein,
historische Themata mit Geschick und Geschmack zu be¬
handeln, wie es in Köln im allgemeinen geschehen ist.
Neben dieser Betrachtung im großen bedarf es aber auch eines
speziellen Berichtes über die Ausstellungen in bezug auf das vor¬
handene jüdische Kulturgut. Aachen hat nichts ausgestellt, weil
die heimische Kolonie erst sehr jungen Datums sein soll. Ob und
wie weit mittelalterliches Material zur Verfügung gestanden hätte,
läßt sich nicht mit Bestimmtheit**) sagen. Im Bejahungsfalle
müßte gegen die Gleichgültigkeit der Gemeinde der schwerste
Vorwurf erhoben werden; es wäre hier eine ausgezeichnete Ge¬
legenheit gewesen, das Judentum in Erscheinung treten zu lassen.
Unabsichtlich ist dies in Düsseldorf geschehen, wo einige jüdische
oder judenstämmische Maler zu finden sind. In der historischen
Abteilung wären zu nennen***) : Eduard Bendemann geb. zu
Berlin 1811, gest. zu Düsseldorf 1889) und Michael von Mun-
käcsy (geb. zu Munkäsc [Ungarn] 1846, gest. zu Endenich bei
Bonn, von 1868 bis 1872 in Düsseldorf tätig). Ob Wilhelm
*J Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibes¬
übungen, Düsseldorf 1926. Weil der Berichterstatter sich zur Zeit im
Auslande auf einer Studienreise befindet. ***) Alle Angaben nach dem
Katalog der Ausstellung.