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M E N O R A H
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Heine (geb. zu Düsseldorf 1813, gest. ebendort 1839) oder
einer der anderen Maler ebenfalls hieher gehörten, das bedürfte
der sorgfältigsten Überprüfung. Ein Gleiches gilt für die mo¬
derne Abteilung, deren Meister m. A. oft viel zu leichtsinnig
für das Judentum beansprucht werden, ohne daß dies den
Tatsachen entspricht. Sicher sind wohl nur als Juden oder Juden-
stämmlinge folgende Maler: Jankel Adler, Düsseldorf, Lyonel
Feininger (?), Weimar*), Albert Herzfeld, Düsseldorf, Max
Liebermann, Berlin, und der Bildhauer Leopold Fleischhacker,
Düsseldorf, zu bezeichnen. Unter den Architekten, die in Düssel¬
dorf Pläne und Modelle ausgestellt haben, ist mir keine besonders
wertvolle Arbeit von jüdischer Seite aufgefallen, obgleich zahl¬
reiche jüdische Namen unter den Ausstellern zu finden sind.
Wie immer, wenn wir vor Galuthkunst stehen, ist es sehr
schwer, die Grenze zwischen dem zu ziehen, was wirklich lür
die Erkenntnis der jüdischen Psyche wichtig ist, und zwischen
dem, was nur so nebenher als „j ü d i s c h" im weitesten Sinn
interessieren könnte. Nun dürfte es für die brennende
Frage der Assimilation an eine andere Umgebung — eine der
Kernfragen der Galuthpsyche — außerordentlich wertvoll sein,
ein recht unbekanntes Bild eines nichtjüdischen Malers zu be¬
trachten. Der junge Andreas Achenbach (geb. zu Kassel 1815,
gest. zu Düsseldorf 1910) hat 1&35 den Strand bei Scheveningen
einmal (übrigens nie wieder) in der Art Josef Israels gesehen.
Nur durch die Signatur kann man auf den richtigen Künstler¬
namen kommen. Das seltene Schauspiel der Beeinflussung durch
den Ort und seine Gegebenheiten — Licht, Luft, Wasser, Stim¬
mung usw. — wird hier, wie z. B. zuweilen bei Dürer in
Italien deutlich. Durch diese Erkenntnis auf die Möglichkeiten auf¬
merksam gemacht, verwundert es nicht, bei Bendemann ,,T r a u-
ernde Juden im Exil" im Genre deutscher Sagen¬
helden und in der künstlerischen Auffassung der süßlichsten
Romantik zu treffen. Es bleibt sich gleich, ob Jeremias auf den
Trümmern Jerusalems sitzt oder der Durchzug durch das Rote
Meer oder Ruth im Kornfelde---oder aber Wilhelm Teil
mit seinem Sohn dargestellt werden. Bedeutender als die künst¬
lerische Qualität der historischen Bilder ist die der Porträts, von
denen uns das seiner Gattin am meisten interessiert. Munkacsy
ist im Gegensatz zu Bendemanns akademischer Gleichgültigkeit
ein temperamentvoller Künstler, der nicht nur als Lehrer Lieber¬
manns, sondern auch als einer der Bahnbrecher neuer Sehweisen
zu werten wäre. Leider haben wir sehr selten Gelegenheit, ge¬
nügend Arbeiten des Meisters zu betrachten, um ein einigermaßen
begründetes Urteil über sein Schaffen zu besitzen. Düsseldorf zeigt
auch nur drei Bilder, die keine auffallenden Besonderheiten tragen.
Durch den jüdischen Bildinhalt fällt Adler — zum Entsetzen der
bürgerlichen Assimilanten des Rheinlandes — sofort ins Auge,
seine Zugehörigkeit zur jüdisch-slawischen Malerschule ist auch
in Gestaltung und Farbe deutlich zu erkennen. Es wäre verfehlt,
das primär-spirituelle dieser Bilder sofort als jüdische Note zu
werten, weil es für uns heute noch unmöglich ist, diese Frage
mit dem nötigen Abstand zu werten. (Das Phänomen der
jüdisch-slawischen [oder aber slawisch-jüdischen] Malerei wäre
noch zu spalten!) Mögen wegen der Verschiebung der Bewußt¬
seinsschwelle der „Jude im Bade" und der „Synagogendiener'*
auch befremdend, gewollt oder unerfreulich wirken, sie besitzen
zweifellos starke Qualitäten. Was von Adler gesagt ist, gilt auch
für Feininger, dessen viel abstraktere Bilder leicht als jüdisch¬
dekorative Schöpfungen betrachtet werden könnten, wenn man
die Vermischung der deutschen mit der jüdischen Eigenart bereits
bewerten könnte. Liebermanns jüdische Qualitäten zu betrachten,
wäre eine sehr lohnende und für die älteren Schöpfungen (be¬
sonders die in Hamburg und Berlin) durchaus mögliche Aufgabe,
auf die aber in diesem Zusammenhang verzichtet werden muß.
Sein Damenporträt, das als einziges Werk seiner Hand den Saal
der Prominenten in Düsseldorf ziert, scheint mir überhaupt sehr
wenig charakteristisch für diesen Künsder zu sein. Herzfeld und
Fleischhacker gehen nicht über den Rahmen des Alltäglichen
hinaus und sind, vielleicht nicht gerade günstig, mit dem einen,
bezw. den zwei Stücken vertreten.
*) Modeines deutsches und düsseldoifer Kunstschaffen.
EDUARD BENDEMANN BILDNIS DER GATTIN
(Jal.rhiusendai.ssttrllmii; der Kl.einli.mlc, Düsseldorf 1^5)
In ganz anderen Bahnen bewegt sich die Kölner Ausstellung,
eine repräsentative Schau, deren Wert in der Zugänglich¬
keit selten erStücke und einer Übersicht über das
ganze Gebiet liegen soll. In diesem Rahmen war es selbst¬
verständlich, daß die Leitung auch eine jüdische Abteilung in
Betracht zog, zu deren Leiter einer der Kölner Rabbiner, Dr. Ko-
ber, herangezogen wurde, dem noch eine Assistentin des Kunst¬
gewerbemuseums beigegeben wurde.
In den Umgängen um die großen Mittelräume hat die jüdische
Abteilung zwei kleine und ein größeres Zimmer zur Verfügung.
Im ersten (Nr. 38) finden sich mittelalterliche Grabsteine aus
Köln im Original und solche aus Worms in Gipsabgüssen, ferner
Abklatsche von verschiedenen Orten. Die zeichnerischen und
photographischen Darstellungen der Judenbäder fallen in der ge¬
wählten Aufstellung mehr ins Auge als die guten Modelle, die im
Durchgang zum Nebenraum zu wenig Beachtung finden. Einige
Urkunden von Kaisern und Kurfürsten, Städten usw. sind wegen
der fehlenden Zusammenfassung leider wenig für das Publikum
von Nutzen, das eben durch diese Zusammenfassung leicht be¬
lehrt werden könnte. Der Erfolg der Photographie der ältesten
auf Juden bezüglichen Urkunde von 321 wird wegen der unglück¬
lichen Aufstellung ebenso wie der der interessanten Karte der
mittelalterlichen Judensiedlungen in Frage gestellt.
Der nächste Raum (Nr. 37) enthält einen Dorfbetraum des
bescheidenen Typus vom Ausgang des 19. Jahrhunderts, zwei
hübsche dörfliche Beschneidungsstühle sind als das Interessanteste
dieses Raumes zu buchen.
Der letzte und größte Raum (Nr. 36) zeigt eine Fülle ver¬
schiedener Objekte, die in ihren Zusammenhängen nicht klar
werden. An einer dörflichen Sederstube vorbei gelangt man zu
einer Vitrine mit Memorbüchern des 1 7. und 18. Jahrhunderts
und illustrierten Handschriften, darüber hängen Photos von
rheinischen Judenfriedhöfen. Der nächste Schaukasten enthält
eine Sammlung von Abbildungen meist moderner Synagogen im
maurischen Renaissance-Barock: das Schild „zur Abschreckung"
fehlte noch. Weiter findet sich eine Sammlung prachtvoller
moderner Kultgeräte des Frankfurteis Leo Horovitz, deren gute
Anordnung angenehm auffällt. Daneben ist, leider durch die
prunkhafte Ehrengabe der Krefelder Judenschaft an Beckerath
erdrückt, das Original des Rabbi von Bacharach zu sehen. Die
Wand darüber zeigt die moderne Synagoge in Essen und die
vergrößerte Photographie einer Matrikelseite der Universität