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DIE JÜDISCHE FRAU UND DIE PRESSE
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der Aufruf, das nackte Aussprechen sein. Tiefer greifend — bei Frauen
wie bei Kindern — wirkt das Beispiel, die Schilderung von Gestalten.
Die Geschichte der Juden ist reich an entgegengesetzten Typen.
,,Warum Henriette Herz, warum nicht Henriette Szold?" fragte eine
führende jüdische Frau beim Lesen einer liberalen Frauenzeitung.
Warum Henriette Szold? Weil ihr Beispiel in anderen jüdischen
Frauen den Willen zur großen, selbstlosen Leistung für ihr Volk er¬
wecken kann. Warum Schilderungen von Frauen in einer Kwuzah?
Weil das Bild des überegoistischen Gemeinschaftslebens, weil das Bild
der urproduktiven Arbeit, das Bild der Freiheit als Jude und dem
Guten zustrebender Mensch in andern Frauen das Bewußtsein von
Möglichkeiten der eigenen Leistung und des Seins erweckt, die sie
früher nicht kannten.
Durch Schilderungen von Frauengestalten, von Frauenleben und
Frauenleistungen wirkt die Presse auf das Tun der Frau ein. Hier liegt
der Sinn jeder Frauenpresse und jeder besonders gerichteten Frauen¬
presse.
Wo die Presse Unterhaltung Müßiger, Selbstzufriedener ist — ist
wenig Unterschied zwischen den Bedürfnissen von Frauen und
Männern.
Wo die Lesende den Weg zur Erkenntnis in der Presse sucht —
braucht es kaum Frauenblätter.
Aber wo es um Forderungen von Frauen und um das Handeln
der Frauen geht — da wird die Frauenpresse dauernd ihr Recht be¬
halten. JVlargarete Turnowsky-Pinner.
Darstellung des Planetensystems
Enthalten im Buche „Maase Tübiah" des
Arztes Tubiah Cohen, Venedig, 18. Jh,