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UNSERE AUTOREN
JAKOB MAS£, geboren 1860 in Mohilew am
Dnjepr, gestorben 1924 als Rabbiner von
Moskau. Nach Abschluß seines Studiums als
Rechtsanwalt tätig. Seit 1893 Rabbiner in
Moskau; spielte im russisch-jüdischen Gesell¬
schaftsleben eine führende Rolle. Fungierte
1913 als Sachverständiger im Beiliß-Ritual-
mordprozeß.
Mase vereinigte in sich harmonisch die
lebendige Tradition der jüdischen Kultur mit
europäischer Bildung und Lebensweisheit.
ObAvohl literarisch tätig, war nicht das ge¬
schriebene Wort die eigentliche Form seines
Ausdruckes. Wie hei den Lehrern der Ver¬
gangenheit war das gesprochene Wort die
Form, in der er schaffte. Gau« besonders sind
seine Reformideen zu erwähnen, die vom
Grundgedanken getragen waren, daß die jüdi¬
schen Rechtsformen nach Beispiel der Tal¬
mudepoche weiter aus sich selbst entwickelt
und mit dem Leben in Einklang gebracht
werden müssen. Seine Erinnerungen umfas¬
sen eine ganze Epoche des Lebens in Rußland.
JOSEPH ROTH, in Schwabendorf, einer
deutschen Kolonie Wolhyniens 1894 ge¬
boren, studierte Germanistik an der Wiener
Universität, literarisch seit der Heimkehr aus
dem Kriege tätig. Von Roth erschienen u. a.:
„Juden auf Wanderschaft", „Panoptikum",
Sammilungen aktueller und literarischer
Essays, und die Romane: „Die Flucht ohne
Ende"; Rechts und Links".
JOACHIM STUTSCHEWSKY, Violoncellvir¬
tuose, Musikschriftsteller und Komponist,
ist 1891 in der Ukraina geboren, studierte am
Leipziger Konservatorium (1909—1912), hielt
sich während des Krieges in der Schweiz auf
und lebt gegenwärtig in Wien. Als Solist und
Kammermusiker und durch seine zahlreichen
Arbeiten für sein Instrument — insbesondere
als Verfasser technischer Studienwerke von
epochaler Bedeutung — ist er überall bekannt
und hochgeschätzt. Neben seiner künst¬
lerischen und pädagogischen Tätigkeit widmet
er seine ganze Zeit und Kraft der Propa¬
gierung jüdischer Musik. Stutschewsky ist
einer der wenigen Künstler von internatio¬
nalem Ruf, der seine ganze Wirksamkeit so¬
wohl als produktiver wie auch reproduzie¬
render Musiker, nicht zuletzt als Musik -
schriftsteiler, ganz in den Dienst der jü¬
dischen Musik gestellt hat. Er ist bemüht,
einen Kontakt und Meinungsaustausch unter
den jüdischen Musikern selbst herbeizuführen
und weiteste Kreise auf das Vorhandensein
einer „jüdischen" Musik aufmerksam zu
machen. Seiner systematischen Arbeit ist es
mit zu verdanken, daß das Interesse für die
jüdische Musik im Ansteigen ist. Vor kurzem
sind seine „Vier jüdischen Tanzstücke" für
Klavier erschienen.
JUDA WARSZAWIAK, geboren in Kaiisch
(Kongr.-Polen), erhielt in seiner Jugend
die in orthodoxen Kreisen übliche Erziehung.
Seine literarische Tätigkeit beginnt mit 1918.
Warszawiak ist Mitarbeiter der in Polen er¬
scheinenden hebräischen jiddischen und pol¬
nischen Tageszeitungen und redigiert die
literarischen Blätter „Alim". In hebräischer
Sprache erschienen verschiedene Übersetzun¬
gen aus dem Polnischen und Russischen, ein
Novellenband und eine Sammlung von Auf¬
sätzen und Erinnerungen über polnische
Dichter, die auf Kosten der polnischen Regie¬
rimg herausgegeben wurde. Zurzeit arbeitet
Warszawiak an einem Roman, der sich mit
den sozialen Verhältnissen der polnischen
Juden befassen wird.
£)R. SIGMUND FEIST, Direktor des Rei-
chenheimschen Waisenhauses in Berlin,
wurde in Mainz geboren und studierte in
Straßburg im Elsaß vergleichende Sprach¬
wissenschaft, Germanistik und neuere Spra¬
chen. Er promovierte daselbst mit einer
Schrift: Grundriß der gotischen Etymologie.
Nach bestandenem Staatsexamen war er eine
Zeitlang im Schuldienst tätig, bis er 1906 in
seine jetzige Stellung berufen wurde. Neben
seiner amtlichen Tätigkeit hat er auch wissen-
( Fortsetzung siehe Seite 501.)