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DAS PROBLEM DER ANTIKEN SYNAGOGE 555
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Fig. A. Grundriß der Synagoge von Hammat
Aus A. L. Sukenik, Die Katcdra des Moses, in Tarbiz, rgio, Nr. i
in der Ostwand gegeben. Erst mit der Zeit bricht sich der Gedanke
Bahn, daß eine Orientierung so zum Ausdruck gebracht werden muß.
daß nicht der Archisynagoge etwa nach dem Heiligtum schaut. — das
erscheint dann gar nicht mehr wichtig, sondern daß die Ostwand, be
ziehungsweise die Südwand oder jede andere Wand, je nach der geo¬
graphischen Lage des Baues, im Innern mit symbolischen, sich auf den
zerstörten Tempel beziehenden Formen ausgestattet wird.
Die Ostwand entwickelt sich zur Schau wand für die Gemeinde,
und, wenn in Osteuropa, in einer kleinen Ortschaft, in Orla zum Bei
spiel, die Ostwand mit dem Aron ha-Kodesch im Sinne einer byzanti¬
nisch-russischen Bilderwand ausgestaltet wird (Fig. 2), so ist das eine
konsequente Weiterführung des baulichen Gedankens, der sich in der
antiken Synagoge erst mühselig durchgerungen hat. Die galiläischen
Synagogen des zweiten bis dritten Jahrhunderts haben ursprünglich
wenigstens diese Schauwand noch nicht, im Gegenteil ihre Südwand
wird unmißverständlich als Eingangsfront behandelt. Große, monumen¬
tale Portale, häufig drei Portale durchbrechen diese Wand. (Vgl. mei¬
nen Aufsatz Thoraschrein, Almemor und Vorbeterpult, Menorah, 1929,
Nr. 11/12.) Anscheinend ist das späterhin anders geworden, möglicher¬
weise hat man in der Folge diese Eingänge verbaut und im Innern da¬
vor den Aron ha-Kodesch gesetzt, wie das Kohl und Watzinger ver¬
mutet haben. War das der Fall, so haben wir in den galiläischen Syn¬
agogen, in ihren später erfolgten Umbauten erst allerdings, die Wand¬
lung vor uns, die für die weitere Entwicklung des Synagogengrund¬
risses entscheidend werden sollte. In der Synagoge in Chorasim, die die
Fassade im Süden hat, hat Uri 1926*) einen Basaltsitz bloßgelegt, der
auf der Südseite des Raumes vorgefunden worden sein soll (Fig. 3).
Welchen Einflüssen diese Wandlung zuzuschreiben ist, ist noch
*) Darüber bei E. L. Sukenik, Kathedra des Moses in',Tarbiz, Nr. 1.