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UNSERE AUTOREN
nPIIOMAS MANN, heule unbestritten der
Repräsentant den Ischen Kunstschaffens,
hat für sein jüngstes, noch nicht vollendetes
Werk die wunderbare biblische Gestalt des
Josef zum Helden erwählt. Es ist geradezu
Wagnis, in einer Zeil, in der die Gewalt ober¬
stes Gesetz ist, den Grundlypus gewallloser
Ciröl.'.e, wie es der Josef der Bibel ist, episch
zu formen. Sollte diese Vision des Dichters
vielleicht Mahnung durch ein Sinnbild sein?
Wir wollen an dieser Stelle dem Dichter nicht
nur im Namen der Herausgeber, sondern wie
w ir überzeugt sind auch im Namen aller Leser
der „Menorah" innigsten Dank sagen, da 1.1 er
uns Gelegenheit gibt, noch vor Erscheinen des
Werkes in diesem lieft einen eindrucksvollen
Abschnitt aus dein Josefsronian zu veröffcnl-
liehen.
ß|{ RICHARD BEER-HOFMANN, geb. 18<i<»
in Wien, wo er auch beide lebt, ist ein
Meisler dichterischer Formgebung. Er hat \v-
doch der Öffentlichkeit gegenüber stets grötflc
Zurückhaltung geübt und bisher nur wenig«*
Dichtungen erseheinen lassen, darunter das
Drama ,,Jaakobs Traum", Vorspiel zu einer
Trilogie vom König David und einige Ge¬
dichte, die zum Schönsten gehören, das die
neuere Lyrik auf zuweisen hat. Wir freuen
uns. unseren Lesern dank dem Entgegen¬
kommen des Dichters eines dieser Gedichte
bringen zu können. Anläßlich des Goethe¬
jahres hat Beei-Hofmann Laust I. und II.
Teil für die Aufführung an einem Abend be¬
arbeitet und mit seiner Inszenierung am
Burgtheater in Wien groüen Triumph geleiert.
JfELlX A. TU TEILHABER. Arzt und Sexual-
wissenschafHer in Berlin - Wilmersdorf.
Geboren 1884 in Bamberg (Franken), in Mün¬
chen aufgewachsen. 11)11 erschien seine erste
gröl.iere soziologische Untersuchung ..Der
l"niergang der deutschen .luden 4 *, ein Blieb,
das vielumkümpfl wurde. Lilerariseh Ind
Theilhaber in dein Spinoza-Ilembrandl-Roiiuin
..Dein Reich komme" hervor. Von seinen
sexualwissenschiifllichen Arbeiten ist die
eigenwillige Entdeckung des „tragischen"
Goethe in dem Buch ..Goethe. Eros und
Sexus" viel umstritten. Zur Jahreswende
1W1/.V2 brachte der Wellverlag von Theil¬
haber einen Band Biographien jüdischer
Nalurforseher und' Erfinder heraus, der den
Titel „Schicksal und Leistung" trügt. Die
Auswahl beschränkt sich auf schöpferische
deutsche Juden der letzten hundert Jahre.
WILHELM WACHTEL
Die Qualität der Kunst des Malers Wil¬
helm Wachtel sieht heute nicht zur Frage:
denn um diese aufzufinden und nach ihrer
Art zu benennen, brauchte es eine weit ein¬
gehendere Untersuchung, als sie im Rahmen
einer kurzen Notiz möglich wäre. Es ist. wenn
man es so ausdrücken kann, die psycholo¬
gische Seile des Falles, die uns heute inter¬
essiert. Der Maler war nämlich in den letzten
Jahren zweimal in Erez Israel gewesen. Als ein
Mann in reifen Jahren halte er eins heilige
Land besucht. Schon lange bevor er die erste
Reise angetreten hatte, schien seine Kunst zu
einer festen Form gekommen, ehurr Form,
durch die er in jüdischen Kreisen populär ge¬
worden war. Nun aber begab es sieh, daß un¬
ter dem Eindruck jener beiden Reisen diese
feste Form völlig zusammenbrach und einer
neuen Raum gab.
An die Stelle einer dunklen. schbilTen und
melancholischen Malerei trat nun eine kräf¬
tig zugreifende, von den sonnigen Entdeckun¬
gen des Auges bestimmte und erfreute Form.
Die Erfrischung erstreckte sich bis in die Mit¬
tel der Darstellung. Vor allem die Kreide
zeigte, dal.» jetzt eine südlich klare und inten¬
sive Farbigkeil das Ziel war. Es war eine
durchgängige wesentliche Veränderung — die
Verwandlung eines fertigen Malers durch ein
Land. Diese Verwandlung halle auch unter an¬
deren l'insländen Beachtung finden dürfen.
Für uns aber hat sie einen ganz besonderen
Sinn. Denn diese unerwartete und liefgrei¬
fende Verwandlung geschah in Erez Israel.
Auch an diesem Beispiel — und an ihm ganz
besonders — zeigt das Land die seltsam ver¬
jüngende Kraft, mit der es auf alle wirkt, die
sich ihm anschliel.ien. /'-.