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MENORAH
X. JAHRGANG MÄRZ APRIL 1932 NUMMKR 3 4
DEMÜTIGUNG UND ERHEBUNG
Dies isl ein kapdel aus dein noch unvollendelen .loseph-Rninan des
DichltTs. eine j>i so (Je aus .laakohs, des Yalers, Leben, desselben, der sieli
am .lahhok di'ii Namen errang: .lisracl. An diese-n Namen knüpfen die folgen¬
den Abschnille an.
ür Leute wie Schimeon und Lewi, die starken Leu-Söhne, mochte
I es ein Grund zu heimlichem Luchein sein, daß der Vater just die¬
sen kühnen und kriegerischen Namen sich errungen, ihn .sich gleichsam
vom Himmel gerissen hatte. Denn Jaakob war nicht kriegerisch. Nie
wäre er der Mann gewesen, zu tun, was Ur-Abrain tat, als er, da die
Söldlinge des Ostens, die Heerhaui'eii von Eiam, Sinear, Larsa und von
jenseits des Tigris um überfälligen Tributs willen das Jordanland heim
gesucht, seine Städte geplündert und auch Lot von Sodom gelangen
weggeschleppt halten, keck und treu entschlossen ein paar hundert haus-
büiiiger Knechte Lind umwohnender Glaubensverwandter. Leute El-
Berils, des Höchsten. zusammenraffte, mit ihnen in starken .Märschen
von Hebron aufbrach, die abziehenden Elaniiter und Gojim einholte und
solche Verwirrung in ihrer Nachhut anrichtete, daß er viele Gefangene
befreien und Lot nebst einer Menge geraubter Habe im Triumph nach
Hause zurückführen konnte. Nein, dergleichen wäre nicht Jaakobs
Sache gewesen; er hätte versagt in einem solchen Fall, und das hatte er
sich im stillen auch eingestanden, als Joseph auf die alte, gern erzählte
Geschichte zu sprechen gekommen war. Er ..hätte es nicht vermocht*',
so wenig, wie er es nach seinem eigenen Bekenntnis vermocht haben
würde, mit dem Sohn zu tun, was der Herr verlangle. Lot zu befreien,
hätte er Schimeon und Lewi überlassen: wenn aber diese unter dem
ihnen bei solchen Gelegenheiten zu Gebote stehenden entsetzenerregen¬
den Geschrei unter den Mond-Anbetern ein Blutbad angerichtet hätten,
so hätte er sein Angesicht mit dem Schal verhüllt und gesprochen:
..Meine Seele komme nicht in ihren Rat!** Denn diese Seele war weich
und schreckhaft: sie verabscheute es, Gewalt zuzufügen, sie zitterte da¬
vor, welche zu erleiden, und war voll von Erinnerungen an Nieder¬
lagen ihres Mannest ums, — Erinnerungen, die ihrer Würde, ihrer Feier¬
lichkeil aber darum nicht Abbruch taten, weil immer und regelmäßig
Von l homas M a n n