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11m Wallcnstcin und Queftcnbcrg, daS Banket wurden
mit Fcncr und Leben dargestellt; ein Jeder spielte,
wenn er auch nicht zu sprechen hatte. DaS szenische
Arrangement darin war, Dank der Hülfe des Sta.dt-
thcaterS, glänzend. Bon den Darstellern zeichneten sich
einige durch besondere charakteristische Bortresslichkeit
ans: so der Bauer, der Kroat, der Kapuziner, der
Wachtmeister im Lager. Die beiden Jäger und der
Kürassier waren in trefflichen Händen. Durchgängig
wurde laut und verständlich gesprochen — die lieber
Windung einer Schwierigkeit, die nicht gering zu achten
ist. Das Neitcrlicd ward frisch und fröhlich gesungen.
In den Piecolomini's begegneten wir nun den Haupt-
darstcllern, die nach der Meinung aller Zuhörer vor-
züglich waren und auch in der hiesigen Presie warmes
Lob davongetragen haben. Eine Prachtleistung war
der Wallcnstcin, bei dem wir die Fähigkeit, seiner gc-
waltigen Nolle hinsichtlich des LcrncnS gerecht zu
werden, ebenso bewunderten wie die ÄodutatiouS-
fähigkcit seines Organs, die Ruhe feines Spiels und
dabei doch den Ausdruck seiner Gesten und Mienen.
Würdig standen ihm die beiden Piccolomini zur Seite,
beide gleich vortrcfstich in Wiedergabe ihrer so überaus
schwierigen Nöllen: der eine ruhig, kalt, berechnend:
der andere- lebhaft, feurig, chmreißcnd. Als Vierter
trat der höfisch-geschmeidige, malitiösc Oucstenbcrg schön
hervor, vielleicht neben dem Bnttlcr für einen Schüler
die fchwicrigste Nolle. Aber der fange Mann ent-
ledigte sich seiner Aufgabe mit bestem Geschick und
schns so einen hübschen Gegensatz dcS höfischen zum
militärischen Leben, wie ihn die Dichtung verlangt.
An diese' Bier schlossen sich Jllo, Buttler, Jsolani
würdig an und erwirkten so ein gutes Ensemble. Die
Banketszcnc gelang meisterhaft. — Am zweiten Abend
kam Wallensteinö Tod zur Aussnhrung. War schon
am ersten Abend der Zuschaucrraum dicht gefüllt, so
hatte das Gelingen der ersten Vorstellung am zweiten
eine solche Menge von Publikum herbcigczogcn, daß
kein Plätzchen mehr frei war. Und herrlich schloß das
Ganze ab. ES gelang den Darstellern, im Publikum
die höchste Spannung, eine tiefe tragische Erschütterung
zu erzielen; ja selbst ein unglücklicher Zwischenfall, der
den Hauptdarsteller befangen zu machen drohte, ward
durch seine Nuhe und Selbstbehen׳schn!׳g. sowie durch
die Sicherheit, mit welcher cr und die Mitspielcndcn
ihre Nöllen beherrschten, soweit unschädlich gemacht,
daß er nicht einen Augenblick die ernste Stimmung
der Zuhörer zu stören vermochte. Wir haben oben
schon Wallcnstcin und die Piccolomini erwähnt: sie
trugen auch an diesem Abend die schönsten Ehren davon.
Ausgezeichnet waren die herzerschütternden Szenen von
Malens Abschied, von WallcnftcinS Klage um den
jrüh gefallenen Freund. Hier boten die Schüler mehr,
als ihr Alter erwarten lassen konnte. Octavw war in
den drei großen Szenen des zweiten Aktes meisterhaft.
Und alle Anderen waren tüchtig am Platze. Kleine
Kabmetstückchcn waren Wränget und der schwedische
Hauptmann; Bntiler stattete seine unsympathische Nolle
mir einer ganzen Reihe glücklich dnrchgcführter charak-
Lcristischcr Momente ans; cr scheiterte nicht, wie so
mancher Schauspieler, an der überaus schwierigen Szene
mit Octavio. Terzky, dem die schwere Uebcrrcdnngs-
szene der Gräfin in den Mund gelegt'war, sprach 'mit
scharfer Akzentnirnng und guter Eharaktcristik; cr und
Jllo, denen durch die Bearbeitung im dritten Akt un-
gemeine Schwierigkeiten betreffs dcS szenischen Arran-
gemcuts erwachsen waren, vermieden jede Klippe, ja,
ließen sogar jene oben erwähnte momentane Störung
kaum merkbar erscheinen. Trefflich war Gordon, in
dessen Händen der gute Abschluß dcS letzten Aktes lag.
Und lo fügte sich eins zum andern, so daß, als der
Borhang siel, die Schüler unter dem jubelnden Bcifallc
deS Publikums die Gewißheit gewonnen hatten, ein
mächtiges Unternehmen, an dessen Gelingen so mancher
Sachverständige gczweifelt hatte, zu schönstem, allseitig
befriedigendem Abschluß gebracht zu haben. Eltern und
Lehrer aber konnten stolz sein ans die Leistungen ihrer
jungen Schutzbefohlenen: schon daß ohne jeden Sonflcnr
gespielt worden, war des höchsten Lobes werth; daß
aber gut und der Dichtung gemäß gespielt worden,
daS gab Jenen die Gewißheit, mit welchem guten Er-
folge die Schule an den Schülern gewirkt hatte. Denn
eine solche Einzcllcistnng war nur möglich, wenn ihr
eine jahrelange tüchtige Gesanuntarbeii vorangcgangcn
war. Erwähnen wir endlich noch die Regie. Der
früher an der Anstalt beschäftigt gewesene Lehrer Herr
Schmidt hatte dieselbe unter der Aegide dcS Herrn
Direktors übernommen und entledigte sich seiner Auf-
gäbe mit bewunderungswürdigem Geschick. Er hatte
es verstanden, in feinsinniger Weise die Dichtung den
Schülern nahe zu führen und zu eigen zu machen;
er hatte mit ausgezeichnetem pädagogischen Takte daS
Ganze geleitet und somit den Intentionen der Schule
in glücklichster Weise entsprochen; cr war endlich mit
unermüdlichem Flciße und freudiger Hingabe thätig
gewesen, um die wahrlich nicht geringen Schwierigkeiten
zu überwinden und das Ganze dem herrlichsten Gelingen
entgegenznsührcn. Dadurch war ihm der einstimmige
Dank der Eltern und der Schüler zu Theil geworden.
Die Pansen der dramatischen Aufführung wurden durch
Gesangvorträge auSgcsüllr. Schwierige Stücke, wie
; daS Zigeunerleben von Schumann, ein köstliches Terzett
! von Nass, das Glöckchen!icd ans der Zauberflöte von
j Mozart waren gewählt worden, aber die Präzision der
! Einsätze, die Nüanciernng des Vortrages, die Ncinhcit
! der Intonation ließ nichts zu wünschen übrig und er-