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im Betrage von 16 fl. 40. kr. verthcilt, somit nebst
Regie von 146 fl. 10 kr. und für Äcquivalcnt an
3.Personen 3 .Gulden im Ganzen !587 fl. 36 kr. vec-
auSgabt. Bei der Bikur Cholim Anstalt betrugen die
Einnahmen 783 fl. 13 kr., dagegen die Ausgaben für
Medikamente, Mineralwasser u. s. w. 902 fl. 8 kr.,
der Vermögensstand belief sich Ende 1836 aus 5734 fl.
65 kr. und zwar 4550 in Werhpapieren, 1184 fl. 65 kr.
in Baarschaft. Die FeicrtagSverköstignng erforderte
412 fl. 80 kr., welche, da keine sonstigen Einkünfte
vorhanden sind, aus der Kultusgemeindekassa bestritten
wurden. Für die unentgeltliche Mazzothvcrtheilunz
wurden im Jahre 1886 1775 fl. 51 kr. inbegriffen der
Sammlung für Kimche deplsche im Betrage von
981 fl. eingenommen, dagegen 2112 fl. 65 kr. ver-
anSgabt, somit ein Desfzit von 337 fl. 14 kr. verblieb,
welches aus der. KultuSgemcindekassa gedeckt werden
mußte. Im Jahre 1867 betrugen die Einnahmen
1936 fl. 77 kr., die Auslagen 2229 fl. 43 kr.,
es verblieb somit ein Defizit von 292 fl. 66 kr.,
welches gleichfalls auö der Kultusgemeindekassa gedeckt
werden muß. In den, diesen Bericht begleitenden
Worten spricht sich die Repräsentanz im Allgemeinen
also ans: Die Ausgaben mehren sich von Jahr zu
Jahr, weil, wie die Statistik des ArmenwcscnS über-
Haupt nachweist, die Anzahl Derjenigen, die auf ein
Almosen Anspruch erheben, jährlich um ein Bedeutendes
wächst, während die Einnahmen — und dies muß mit
Bedauern koustatirt werden — vieles zu wüuscheu übrig
lassen. Es ergeht daher an sämmtliche Glaubensgenossen
die dringende Bitte, dic Armcnkommisscon aufs Kräftigste
zu unterstützen und in weiteren Kreisen dafür cinzntreten,
daß der Armen und Bedrängten bei traurigen und
freudigen Veranlassungen nie vergessen werden.
11 . Tcrcbcs, September. Die Judcnschasl des
Zcmplincr KomitalS ließ die Gelegenheit der An-
Wesenheit des Kaisers bei den Manövern nicht un-
genützt vorübergehen, um dem geliebten Monarchen
ihre Huldigung darzubringen. Sic entsandte eine
Deputation an den Landeshcrrn, welche sehr huldvoll
empfangen wurde. Der Kaiser erwiderte auf die An-
spräche des Führers derselben, daß er von der Treue
und Liebe feiner israelitischen Uutcrlhaueu überzeugt
sei, welche sich stets als loyal erwiesen haben. Sie
möchten darin beharren und der Huld ihres Königs
allezeit sich versichert halten.
~ Dcva (Siebenbürgen), 15. September. In
bcii verschiedenen Ansprachen, welche der hier zur In-
spizirnng der Manöver weilende Kaiser auf die Be-
grüßungSreden der einzelnen Korporationen gehalten
hat, wurde von ihm stets betont, daß cs die heilige
Aufgabe aller Staatsangehörigen sei, die brüderliche
Eintracht, .aller Konfessionen und Nationalitäten zu
wahren. Er sei fest überzeugt, daß-die ganze Bevöl-
kcrung, ohne Unterschied der Religion und Nationalität,
iti der Pflege dieser Eintracht, wie in - der Liebe und
Anhänglichkeit zum Vatcrlande mit einander, wetteifere.
Dieser ernste und stets wiederholte Hinweis: auf die
interkonfessionelle Eintracht verfehlt nicht, den heilsamsten
Einfluß aus das ganze Volk auszuüben. Kaiser Franz
Joseph fühlt sich in Wirklichkeit als Landesvater, dem
alle Kinder des Vaterlandes.gleich wcrth und - thcner
sind. Er ist deshalb auch in dem bencidenswerthen
Besitz der ungcthciltcn Liebe aller seiner Völker.
Rußland...
* Petersburg, 18. September. Der dirigirende
Senat veröffentlicht ein Dekret, laut welchem diejenigen
Juden, die das Recht eines unbeschränkten Aufenthalts,
im Kaiserreich genießen, überall Handel und Industrie
nach den allgemeinen Bestimmungen treiben dürfen.
(Hbg. Korr.).
* Warschau, 13. September. Eine Privat« -
depcsche der ״Berliner Börsen-Zcilung" meldet: In
den letzten Tagen sind 60 christliche, 25 israelitische
Familien, 32 israelitische junge Männer, sämmtlich
deutsche Uutcrthancn, auSgewicsen worden. Massen-
anSweisungen werden für die nächsten Tage erwartet.
~ Kcmlern׳z-Podolsk, 10. September. In
der hiesigen alten Stadt, dem Sitze deö Gouvernements
Podolien, besteht die Einwohnerschaft fast zur Hälfte
ans Juden. Seit langen Jahren befanden sich unter
diesen auch solche Faniilicn, welche nach der strengen
Handhabung des Gesetzes allerdings sich hier nicht nieder-
lassen dursten. Kamenc; liegt nämlich innerhalb deö
fünfzig Werst umfassenden GrenzrayonS, in welchem
nur den ursprünglich ortsansässigen Inden der Auf-
enthalt gestattet ist. Man weiß aber, daß die Juden
nicht bestehen könnten, wenn alle zu ihren Ungnnsten
erlassenen Gesetze im vollen Ausmaße der Strenge ge׳
handhabt werden würden. So hab.n sich innerhalb
der letzten 30 Jahren viele Inden von auswärts hier
niedergelassen, Geschäfte gegründet, Handwerk betrieben,
ohne daß man sie gehindert hätte. Man zählt deren
jetzt etwa 1000 Familien. Diesen ist nunmehr, ans-
gegeben worden, ihre Geschäfte abzmvickcln, ihr Grund-
eigcnthum zu verkaufen und die Stadt zu verlassen.
Bis zum Schlüsse deö lausenden Jahres ist ihnen
hierfür Frist gelassen. Dann aber darf Keiner von
ihnen sich hier betreffen lassen, will er nicht Strafe
und gewaltsame An-Streibung gewärtigen. Map versetze
sich in die Lage dieser 1000 Fainilicn und man wird
sich den Jammer und die tiefe Bctrübniß derselben
vorslcllen können. — Auch aus anderen polnischen
Städten wird von ähnlichen Maßregeln gegen die. nicht
berechtigte jüdische Einwohnerschaft berichtet.