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Ein Monatsblatt
zur Forderung
jüdischen Werstes und jüdischen Lebens,
in Haus, Gemeinde und Schule.
Nr. VI.
5616 Zweiter Jahrgang.
Mar und Weadar.
1. ^ie VevsHßeHerren GrvHen *)
^wei große Lichter durchleuchten die irdischen Himmelsräume.
Beide von ihrem Schöpfer ״groß" genannt. Doch jedes verschieden
in eigener Größe.
Es leuchtet die Sonne, — im Glanze nie schwindender Licht-
fülle glüht sie am Himmelsgewölbe und wecket den Tag und den
Tanz der Jahreszeiten auf Erben, weckt die schlummernden Keime der
Pflanzen, weckt die schlummernden Kräfte in Menschen und Thieren,
wird Erzeugerin des Lebens in allem Lebendigen auf Erden, und
kleidet ihre Kinder in der Farbenpracht ihres Lichtgewanbes. Ihre
Strahlenkrone ist immer voll, und sie blendet das Auge des Sterb-
lichen, das sich erkühnt in die Majestät ihres Feuerdiadems aufzu-
schauen. Doch nur der Tag ist ihr Reich. Die Nacht steigt herauf
— und vor dem dunkeln Schatten der Nacht entweicht der Strahl
der Sonne.
Es leuchtet der Mond. Mild strahlt sein silbernes Licht.
Eines Säuglings Auge erträgt seinen Strahl und spielend greift
eines Säulings Hand nach dem freundlichen Licht. Mild dämmernd
hält er Wacht über die schlafende Erde und gesellt sich als freund-
*> Nach Bereschüh Rabbah und Chulin 60 ,
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