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Rezmsirt von Dr. ®ugehljcfmev.
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Sammlung heiliger Schriftwerke" betrachtet, — mit welcher Bercch-
tigung kann er hierbei von einem ״ geoffcnbartcn Gottesworte" (§ 20)
sprechen? Mit welchem Rechte kann er irgend einer ״ Wissenschaft"
die Ausgabe stellen, ״ eine Anleitung zu sein, nach dem Worte Got-
tes zu leben und zu wandeln" (§ 23)? Mit welchem Rechte kann
er einer durch das geosfenbarte Gotteswort gelehrten ״ Erkenntniß
Gottes, seines Wesens, Waltens und Wvllens" (§ 20) erwähnen?
Mit welchem Rechte kann er (das.) Schriftstellen anfübren, die mit
der größten Klarheit die Thora als Gottes Werk bezeichnen?
War Mosche ein Schrtfteücr, war die Thora der von Mosche ge-
legte Grund zu einer Sammlung heiliger Schriftwerke: dann ist es
lächerlich, an ein gcoffenbartes Gotteswort zu glauben, dann kann
es keine Wiffenschaft geben, welche nach dem Worte Gottes zu
leben und zu wandeln lehrt, dann ist es ein auf Täuschung berech-
netes Spiel mit Worten und Begriffen, wenn man Bibelstellen
im Munde führt, in denen der Glaube an die Göttlichkeit der Thora
im eigentlichen Sinne des Wortes mit der größten Entschiedenheit
ausgesprochen ist. Doch es konnte vielleicht eingewendet werden,
daß der Vers, das Wort ״ Schriftsteller" nicht in der gewöhnlichen
Bedeutung gebraucht, wie er auch das Wort ״ Prophet" in einem
eigenthümlichen Sinne zu nehmen scheint, da er Mosche ״ den ersten *)
Propheten Israels" nennt, während nach den Berichten der heiligen
Schrift, denen er hinsichtlich der Erzählungen über die Erzväter
Glauben zu schenken scheint, auch Abraham, Jizchak und Jakob
Propheten waren, die auch von Matmonides (More Nebuchim II 39)
u. a. ausdrücklich alg נביאים bezeichnet werden; der Verf. zeigt aber
mit großer Deutlichkeit, daß er wirklich die Thora einzig und
allein auf Mosche zurückführt, da er ausdrücklich sagt: ״ Durch die
Thora legte er (Mosche!) den Grund zu einer Sammlung heiliger
״ Schriftwerke" , woraus klar hervorgeht, daß der Verf. die Thora
nicht ' על פי ה , nicht in Folge des göttlichen Auftrags, sondern durch
Mosche's Spontaneität geschrieben betrachtet, und daß er den Zweck
der Thora nicht in der Ertheilung eines Gesetzes für das israelitische
Daß. der Verf. dieses Wort nicht, wie es richtig wäre, in Bezug auf den
Rang, sondern in Bezug auf die Zeit gebraucht, grht sowohl aus dem Zusammenhänge
der angeführten Stelle, als auch aus dem ganzen Buche hervor, in welchem der Mrs.
nie erwähnt, daß Mosche als über den anderen Propheten stehend zu betrachten ist.