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חמפחח . Praktische Einleitung u. f. w. von Leopold Löw.
Volk, sondern lediglich in der Begründung einer Heiligen National-
literatur erblickte. Nur hierdurch läßt cs sich erklären, weßhalb der
Vers. § 37 bemerkt: ״Das Entstehen heiliger Bücher in Israel war
von dem Bestehen des israelitischen Staates durchaus nicht abhängig.
Mose schrieb die Thora bevor das israelitische Reich in Kanaan
gegründet wurde, ja bevor die verheißene Heimath Israels noch er-
obert war." Nur wenn man, wie der Vers., Mosche als eine»
״Schriftsteller", als den Autor, den Urheber der Thora, und diese
selbst als ״Grund zu einer Sammlung heiliger Schriftwerke" be-
trachtet: nur dann kann es bemerkenswerth erscheinen, daß Mosche,
schon bevor sein Volk eine Heimath hatte, an die Gründung einer
Literatur für dasselbe denken konnte; würde aber der Verf. die Thora
als das von Gott gegebene Gesetz ansehen, dann mußte er es
als sich von selbst verstehend betrachten, daß die Thora vor dein
Bestehen eines israelitischen Staates gegeben werden niußte, da
(abgesehen von den Gründen, welche in der Mechilta zu 2. B. M.
20, 2 dafür angegeben sind, daß die Offenbarung in der Wüste
stattfand) die Thora erst die Grundlage bildet, auf der sich ein
״israelitisches Reich" erheben konnte, und ein solches ohne die Thora
durchaus nicht denkbar ist.
Da nun der Verf., obgleich er eines ״geosfenbarten Gottes-
Wortes" und ״göttlicher Religivnsurkunden" erwähnt, doch im Wider-
spruche hiermit die Göttlichkeit der Thora leugnet, indem er sie als
Mofche's Werk betrachtet: kann es nicht befremden, daß er, wie
aus der angeführten Stelle und auch aus § 20 deutlich erhellt,
zwischen der Thora und den übrigen biblischen Büchern gar keinen
Unterschied annimmt, sondern diesen mindestens eine der Thora
gleiche Wichtigkeit und Bedeutung beilegt, was aber schon mit den
in den prophetischen und hagiographischen Schriften ausgesprochenen
Ansichten im Widerspruche steht; denn, abgesehen, von den in den
nachmosaischen Schriften der Bibel häufig vorkommenden ausdrück-
lichen Hinweisungen auf den Pentateuch, geht aus den Worten der
Propheten deutlich hervor, daß sie die Thora als die eigentliche
Grundlage für das jüdische Leben ansahen, daß ihnen die Befol-
gung der in der Thora gegebenen Gesetze als das höchste Ziel des
Israeliten vorschwebte, daß sie den Zweck ihres eigenen Auftretens
nur in der Thora erblickten, und daß sie die Lehren, die sie zu ver-