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Nezenflrt von Vr. Gugenheimer. ZZ1
kündigen hatten, nicht als etwas Neues, nicht als eine neben der
Thora existirendc Offenbarung, sondern als etwas in der Thora
Jnvolvirtes und eben hierin seine Berechtigung Findendes betrach-
teten. Dieß läßt sich aus vielen Stellen der nachmosaischen biblischen
Schriften erweisen, und dem entspricht auch die Bezeichnung, welche
denselben im Thalmud und in den Midraschim durch den Ausdruck
דברי קבלה gegeben ist, der vom Vers. S. 19 mit Unrecht durch
״ Worte der Belehrung" übersetzt wird. Selbst wenn sich diese
Auffassung etymologisch rechtfertigen ließe, müßte sie doch darum
verworfen werden, weil sie mit dem Sinne, in welchem dieser
Ausdruck in der Thalmud- und Midrasch-Literatur gebraucht wird,
durchaus nicht im Einklänge steht, und wenn auch der Vers., wie
aus später anzusührenden Stellen hervorgehen wird, den gesetzlichen
Bestimmungen des Thalmud prinzipiell keine Beachtung schenken
kann, so hätte er doch einen nur aus dieser Literatur uns bekannten
Ausdruck schon aus wissenschaftliche» Gründen in dem Sinne, in
welchem er dort gebraucht wird, erklären sollen, da es ein Verstoß
gegen die allgemeinen Znterpretationsregeln ist, bei Erklärung eines
in einem Schriftthume vorkommenden Ausdruckes den Anschauungen
zu widersprechen, welche in jenem Schriftthume in Bezug aus den
betreffenden Ausdruck mit der größten Deutlichkeit und Entschieden-
heit hervorgehoben werden. Obgleich nun nach den Grundsätzen des
Thalmud auch solche religiöse Vorschriften, die aus nachmosaischen
biblischen Büchern eruirt wurden, als דאורייתא zu betrachten sind;
obgleich im Thalmud zuweilen ein nachmosaischer Theil der Bibel
mit dem Worte . תורד zitirt ist: geht doch aus Chagiga 10 b, Baba
kama 2 b, CH ulin 137 a, Nidda 23 a entschieden hervor, daß
unsere Weisen durch den Ausdruck דברי קבלה einen zwischen der
Thora und den ntchtmosatschen Schriften der Bibel vorhandenen
Unterschied andeuten wollten, der aber bet der Interpretation des
Verf. total verschwindet. Ferner erhellt aus Taantth 17 b, Joma
71 b, Moed katon 5 a, Syuhedrin 22 b, Sebachim 18 b, daß die
in den nachmosaischen biblichen Schriften vorkommenden gesetzlichen
Bestimmungen von dem Propheten, bet dem sie sich vorsinden, nicht
erst festgesetzt wurden, sondern schon vor ihm als überlieferte Bor-
schrtften vorhanden waren, und durch mündliche Belehrung sich
fortpflanzten, bis sie von dem betreffenden Propheten auch nieder-