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Rezenflrt von vr. Gugenhetmer. ZZZ
bis zum Erscheinen jener ״ besonderen Einleitung" warten, in der
sich Herr Löw vielleicht auch entschließt, die Gründe anzugeben, um
derentwillen er die Vollendung der heiligen Schriften um drei bis
vierhundert Jahre später ansetzt, als es in der authentischen, Baba
batra 15 a uns ausbewahrten Nachricht geschieht, und die Motive
zu zeigen, die ihn bewogen haben, die von der neueren Bibelkrttik
ausgesprochenen Resultate mit solcher Bestimmtheit anzunehmen, ob-
gleich dieselben auch schon ihre Widerlegung gefunden haben. Sollte
der Vers, seine Ansichten etwa durch sprachliche Gründe beweisen
wollen, so müßte er jedenfalls mit einer größeren philologischen
Gründlichkeit verfahren, als es Kap. II § 46 geschehen ist, wo er
acht hebräische Wörter als Fremdwörter bezeichnet und für wirkliche
Fremdwörter einen ganz falschen Ursprung angibt. So behauptet
er z. B. daß יאר egyptisch sei; es ist aber dieses Wort, wie schon
von R. Mosche ben Nachenan zum 1. B. M. 41, 1 nachgewiesen
wurde, echt hebräisch; כרוז kommt seiner Ansicht nach aus dem Grie-
chischen, was aber ebenfalls nicht wahr ist, da der persische Ausdruck
für das Daniel 3, 4 vorkommende כרוזא mit diesem weit größere
Aehnlichkeit hat als der griechische, wie aus Vullers ־ Lexicon
Persico-latiimm T. I. p. 684 deutlich hervorgeht, wonach schon
in der Zendsprache durch das Wort khruc der in כרוזא liegende
Begriff ausgedrückt wird; es erhellt hieraus, daß die griechische
Bezeichnung des Wortes ״ Herold" aus der Zendsprache oder von
dem gleichlautenden, Vullsrs 1. o. erwähnten im Sanskrit vor-
kommenden Stamme abgeleitet werden muß, keineswegs aber, wie
der Verf. meint, כרוזא griechischen Ursprungs ist. Der Vers, gibt
wohl noch mehr Proben seiner sprachvergleichenden Studien; doch
liefern schon die angeführten ׳ Beispiele ein genügendes Bild von
den linguistischen Forschungen des Herrn Löw, weßhalb wir uns nun zu
einer andern, im II Kap. ausgesprochenen Ansicht wenden wollen,
deren Widerlegung um so erforderlicher ist, als der Vers, sich hin-
sichtlich derselben auf einen sehr geachteten jüdischen Schriftsteller,
nämlich aus Aldo berufen kann. Er sagt nämlich § 54: ״ Die Ein-
führung des in unfern Bibeln gebräuchlichen hebräischen Alphabeth's
wird dem gelehrten Priester Esra, dem Sohne Seraja's zugeschrie-
den." § 55: ״ Die von Esra eingeführte Schrift wird assyrische
( כחב אמורי ) d. i. chaldäische Schrift genannt, weil sie von den Chal-
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