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Rezensirt von Pr. Gugenheimer.
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die angeführten Thalmudstellen durchaus nicht als Belege für jene
Ansicht dienen, denn es geht aus denselben hervor, daß bei der er-
wähnten Meinungsverschiedenheit diejenigen thalmudischen Lehrer,
welche behaupteten, daß schon vor Esra beim Schreiben der Thora
die Qnadratschrtst gebraucht wurde,-eine überwiegende Majorität
bildeten, und daß diese Majorität gerade aus solchen Autoritäten
bestand, deren Meinung bei einer obwaltenden Streitigkeit vor der
Meinung ihrer Gegner der Vorzug eingeräurnt wurde. Die Ansicht
des Verf. findet daher im Thalmud keine Rechtfertigung; sie steht
vielmehr nicht blos mit den angeführten sondern auch mit andern
thalmudischen Stellen, wie z. B. mit Sabbat 140 a, Megilla 9 a
im entschiedensten Widerspruche, wie auch manche gesetzliche Bestim-
mungen und viele Schrifterklärungen unserer Weisen den deutlich-
sten Beweis dafür bieten, daß sie die Quadratschrift als die Ursprung-
ltche Schrift der Thora betrachteten. Daß ferner die Quadratschrift
nicht, wie der Verf. meint, wegen ihres assyrischen oder chaldäischen
Ursprungs כתב אשורית genannt wurde, geht schon hieraus, mit der
größten Evidenz aber aus Mischna Megilla I 8 und H 1 her-
vor, wo auch die hebräische Sprache als אשורית bezeichnet wird.
Wollte man nun dieses Wort >m Sinn des Verf. erklären, so.
müßte man annehmen, daß nicht blos die Quadratschrift, sondern
auch die hebräische Sprache in Folge dcS Erils cingesührt wurde,,
mit welcher Ansicht aber auch der Verf. nicht einverstanden zu sein
scheint. Es kann vielmehr, nachdem a. a. O., wie Raschi z. St.
ausdrücklich bemerkt, אשורית auch auf לשון הקודש sich bezieht, keinem
Zweifel unterliegen, daß mit 2 ת 2 אשורית , ebensowenig als mit לשון
אשורית etwas Fremdes, sondern die zur hebräischen Sprache gehörige
nationelle Schrift gemeint ist, in der auch nach der Ansicht der
Thalmudisten die Thora schon Anfangs geschrieben wurde. Zn dem-
selben Sinne wurde jener Ausdruck auch von Maimonideö (Misch-
nahkommentar zu Jadajim IV 3) erklärt, welche Znterpretation auch
von späteren Com!ncntatorcn, wie von R. Obadja aus Bartenora
und R. Jom Tob Heller z. St. angenommen wird. Ebenso wurde, -
wie aus Gutachten 74 des R. Mosche Alaschkar hervorgeht, von
R. Schcrira und R. Hai Gaon angenommen, daß 2 אשורית m jene
Schrift ist, in der die Thora ursprünglich geschrieben wurde, was
auch Zbn Esra, Sepher Zachut (Fürth 182?) S. 14 b und Asarja