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Jüdische dramatische Dichter in Spanien.
Von Dr. 501. Kayserling.
I. Antonio Grrriquez Gomez.
Spanische synagogale Poesie, spanisch-arabische Philosophie von
Juden gepflegt, haben in dem letzten Deccnninm vielfache und zum Theil
vortreffliche Schriften hervorgerufcn — aber weder jüdische, noch
christliche Autoren hielten es der Mühe werth, sich der jüdischen Dichter
dieses Landes anzunehmen, welche nicht Selichoth und Klagelieder in jü-
bischer Sprache verfaßten. Sollte dieser Himmelsstrich, welcher die aus
ihrem Heimathlande und ihrem Hetltgthume vertriebenen Juden
sehr früh zu dauernden Wohnsitzen anzog, ihnen Jahrhunderte lang
Schutz gewährte, bis endlich am 31. März 1492 die durch den
Steg über die Mauren stolz und übermüthtg gewordene spanische
Isabel ihre allgemeine Vertreibung beschloß, sollte dieses Spanien,
dessen Könige den jüdischen Ministern das Landeshetl anvertrauten,
Juden zu Leibärzte» gebrauchten, die Lehrstühle der Philosophie,
Mathematik und Medizin mit Juden besetzten, sollte dieses Land
nicht auch seine jüdischen Dichter haben? Dichter, welche gleich ihren
christlichen Mitbürgern von dem funkelnden Wein begeistert, von dem
freundlich lächelnden Himmel gehoben, die Leier ergriffen, und die
zarten Satten zu ihren Sonneten und Redondillen ertönen ließen?
Gewiß! Spanien hat seine jüdischen Dichter, welche neben den Cory-
phäen der romanischen Literatur einen ehrenwerthen Platz etnnehmen
und deren dramatischen Produktionen der allgemeine Beifall nicht
versagt wurde.
Aus der Gallerte derjenigen Männer, welche als Juden ihre
Zeit der castiliantschen Muse widmeten — und wahrlich ihre Zahl
ist nicht klein — wollen wir hier vorläufig nur zwei erwähnen,
deren Namen, geschweige ihre Leistungen, nicht zu uns herüber-