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I. Antonio Enriquez Gomez.
reichen und — sonderbarer Weise — selbst im Heimathslande jetzt
nur noch wenig bekannt sind — es waren ja Juden! Beide fallen
in die Blüthezeit der spanischen Dichtung, nachdem der große Lopez
für dieselbe neue Bahn gebrochen und Molina, Rojas, Moreto und
der unsterbliche Calderon das Drama zu seinem Glanzpunkt forderten.
Zeitgenosse dieser genannten Größen waren die jüdischen dramatischen
Dichter Antonio Enriquez Gomez und Daniel Levi de
Barr los.
Antonio Enriquez Gomez oder Enriquez Paz, wie er
von den Spaniern genannt wird, wurde zu Segovia im Anfänge
des 17. Jahrhunderts geboren und war der Sohn eines portugie-
sischen Juden, welcher aus Furcht vor der blutgierigen, mehr die
Meinungen und Gedanken, als Verbrechen und Schandthaten ver-
folgenden Inquisition seine väterliche Religion verleugnete und
sich dem äußeren Scheine nach zum Chrtstenthmn bekannte.
Schon in früher Jugend widmete sich der mit ausgezeichneten An-
lagen begabte Enriquez den Humanitäts-Wissenschaften, betrieb eifrig
das Studium der Geschichte, so wie der heimathlichcn Dichter und
wandte auch der Philosophie und den rabbinischen Schriften einen
Theil seiner Zeit zu. Kaum hatte er das 20. Jahr erreicht, so
betrat er gleich den edlen ritterlichen Jünglingen Spaniens die
militairische Laufbahn, in welchen er sich durch persönliche Tapferkeit
bald so sehr auszeichnetc, daß er bis zum Capttän aoancirte und
mit dem St. Mignel Orden decorirt wurde. Aber weder dieser,
noch seine dem Staate geleisteten Dienste konnten ihn dem stets
spähenden, in Jedem einen Ungläubigen witternden Jnquisitions-
gerichte entziehen, denn auch Enriquez Gomez gehört zu denjenigen
unglücklichen Kindern Israels, welche nur im Geheimen und mit
Lebensgefahr zu ihrem Gotte beten und ihn in väterlicher Weise
verehren durften. Nicht lange konnte es seinen Feinden und Neidern
verschwiegen bleiben, daß er im Herzen seinem alten Gott und seiner
angestammten Religion ergeben sei. Bald nach seiner Rückkehr nach
Spanten wurde er in einen Prozeß, welcher anderen geheimen Ju-
den gemacht wurde, verwickelt, und nur mit Mühe entzog er sich
durch eine schleunige Flucht dem damals stets lodernden Scheiter-
Hausen. Er durchreiste, Entbehrungen und Mühseligkeiten aller
Art in frommer Ergebung ertragend, viele Länder, bis er endlich