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I. Antonio Enriquez Gomez.
dir in meinem ״Engelsstaat", Theologie findest du in dem ״Wan-
drer", Poesie in der ״Lyrik", Komisches in meinen ״Dramen" und
leichtfertig Tändelndes haucht mein ״pytbagoräisches Siegel" aus.
Das letzte Werk ״der Nastr Samson" liefert uns gewissermaßen die
Selbstbiographie des Dichters.
In allen seinen Schriften spiegelt sich das Bild seines trau-
rtgen, vielgeprüften Lebens ab, alle seine Gedichte, besonders seine
lyrischen tragen die Spuren einer gewissen Wehmuth, das Bittere
seiner inneren Seelcnzustände und seines schwer gedrückten Herzens
gibt sich in allen seinen Productivnen deutlich zu erkennen.
Eine ausführliche Charakteristik seiner Schriften können wir
an diesem Orte nicht liefern; er tritt in die Fußtapfen des gefeier-
len Petrarka und hält sich mit einer oft zu großen Aengstlichkeit
an sein Muster. Seine lyrischen Poesien zeichnen sich durch Schon-
heit der Form, Fülle der Gedanken und tiefes warmes Gefühl aus;
in seinem berühmten Drama ״die Psiichtcn der Ehe" liefert er eine
ttefeindringende Kenntniß der spanischen Geschichte. — Enriquez
Gomez wurde von seinen Zeitgenossen nicht verkannt, sie geben ihm
das Zeugniß, daß er zu den talentvollsten und ausgezeichnetsten
Männern seiner Zeit gehört, und in spanischen Sammlungen fehlen
deßhalb auch nie die Geisteöprodnkte dieses Juden. Unsere deutschen
Bearbeiter der spanischen Literaturgeschichte denken darüber freilich
anders -- von ihnen wird Alles was Jude heißt weislich ver-
schwiegen. Hat doch Hr. Lembke in seinem vor kurzen erschienenen
3 Bände starken Handbuch der spanischen Literatur der jüdischen
Dichter mit keinem Worte erwähnt! Freuen könnten wir uns, wenn
die trefflichen Schriften Enriquez Gomez, uns bald in einer deut-
schen Uebersetzung zugänglicher gemacht würben.
Briefkasten der Redaktion. Herrn Rablst R. in U B. Obgleich Pesachim 3 b. R. I. b.
BeLhyra vor der Zerstörung deS Tempels erscheint, so kommt doch auch R. I. l>. B. Negaim IX 3,
Edioth VIII, 3, Jebarnoth 108 b und sonst als Zeitgenosse des R. Elieser, des R. Jehoschua
und R. Akiba vor, da ferner die Zeit des R. I. b. Bagvag ebenfalls nicht sicher ist, so läßt sich die
Identität des R. I. b» B. Kiduschin 10, b mit den bethyrenischen Synhedrialhäuptern zu den Zeiten
Hillels nicht erweisen, und mußte daher von dieser Stelle abgesehen werden. Siehe! Losafoth Me-
rrachoth 65 b.