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zugsweise wegen Mangels an direktem Zusammenhänge mit dem Gesetz-
entwürfe, sowie deßhalb keine Folge erlangt habe, ״weil die Staatsregie-
rung das gesonderte Ordnen dieser Verhältnisse zweckmäßig erachtet, sie
auch das Mnordnen von Recherchen zu solchem Behufe zugesichert habe."
An diesen geschichtlichen Rückblick und an die Annahme, nach Ablauf vol-
ler vier Jahre müsse sich die Regierung am Ziele der nöthigm Vorbe-
reitung, sonach auch in der Lage weiteren Handelns finden, reihen sich
-materielle Betrachtungen, insbesondere 1) über das Zeitgeistwidrige des
bisherigen Matrikelwesens, das unter allen civilisirten Staaten nur noch
in Bayern bestehe; 2) die Anomalie, den israelitischen Glaubensgenossen
in Absicht auf Niederlassung und Gewerbsbetrieb nach den Traditionen
einer längst verklungenem Zeit zu behandeln, während er, Dank der Neu-
zeit, bereits zum Eintritt in׳ die Gemeindeämter, in die Districts-, Land-
raths- und Ständeversammlungen, in die Steuerausschüsse, in das Gre-
nimm der Geschorenen, in die öffentliche Anwaltschasdi^ sogar zur
Ehre eines Offices - kort ä'6xs6 befähigt und selbst von dem Civil-
staatsdienst nur durch stillschweigMde,׳ keineswegs aber durch positive Ge-
setze fern gehalten erscheine; 3Wie Ungerechtigkeit, Leute, welche alle
Obliegenheiten und Leistungen des Christen theilen, von der vollen Theil-
nähme an den Rechten des Christen auszuschließen; 4) die dm Beken-
nern der mosaischen Lehre eigene Sittlichkeit nebst ihrem -musterhaften Fa-
milienleben; 5) die vorzugsweise Befähigung der israelitischen Glaubens-
genossen zu dem in Städten jetzt mehr und mehr sich entwickelnden
§r 08 Geschäft; 6) die tüchtigen Leistungen der ansässigen Israeliten nicht
nur in gewerblicher, sondern auch da, wo sie sich auf Grund und Boden
niederlassen- in landwirthschaftlicher Richtung; 7) die notorische Thatsache,
daß. kein Jsraelite bisher der christlichen Armenpflege zur Last gefallen,
während die Judenschaft bei allen Anlässen ohne Rücksicht auf Glaubens-
Verhältnisse einen freudigen und ergiebigen Wohlthätigkeitssinn entfalle;
8) der Nutzen, der mancher Gemeinde aus dem Eintritte intelligenter
vermöglicher Israeliten in die Reihe ihrer Gemeindebürger erwachse; 9) das
Gefahrlose der beantragten Maßregeln, da ja in deren Verwirklichungs-
falle fortan der Niederlassung israelitischer, gerade so wie bisher der Nie-
derlassung christlicher Bewerber, die Aufnahme von Seite der Gemeinde-
gremien voran gehen müsse. Die Antragsteller fragen sich, ob Angesichts
solcher Prämissen es recht, ob es klug sei, jenen Israeliten, welche mit
achtbarem Vermögen Bildung und Betriebsamkeit verbinden, und deren
Ehrgefühle begreiflich die Erwerbsweise der früheren Landjuden zuwider
sei, nur die peinliche Wahl zwischen mißachtetem Berufe oder Auswande-
rung offen § 11 . lassen. Innigste Ueberzengung führe die sich also Fragen-
den zu. einem entscheidenden ״Nein." Der dritte Ausschuß hat die
eingebrachten Anträge genau geprüft und sie nur in formeller Beziehung
beanstandet. Der Ausschuß erachtet eine Reform der die israelitische An-
sässigmachung regelnden Normen für durchweg geboten; ihm scheint aber