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Die Juden in Rheinbay ern.
Doch hat auch diese Toleranz im Volksbewußtsetn ihre Gränze.
Zn der französischen Zeit, wo die Civilehen zwischen Christen und
Juden gestattet war, ist trotzdem in der heutigen Pfalz keine solche
abgeschlossen worden, und wenn der gemeine Mann hier theoretisch
auch noch so tolerant gegen die Juden ist, so hält er sich doch —
wie überall in Deutschland — im Stillen für etwas viel besseres
als den vornehmsten Hebräer ; die Zeugnisse alter Judenverachtung in
Volkssprüchen und gemeinen Redebildern sind noch im vollen Glanz
lebendig, und derselbe Mann, welcher dem tobten Juden mit Freu-
den ein Grab neben seinem eigenen gönnt, sagt darum doch noch
immer von jeder ungesalzenen Suppe: ״sie schmeckt wie ein todtcr
Jude!"