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Dritter Jahrgang.
Erstes Beiblatt zum Jumhest.
Ausgegeben den 26. Mat 1857.
Zn dieses Beiblatt werden Inserate zu 3 kr. pr. Zeile oder deren Raum ausgenommen.
Frankfurt a. M., 25. Mai 1857. Warnung an alle Besitzer
unbrauchbar gewordener Sifre Thoroth und Jerioth. Bereits vor
längerer Zeit war uns die Kunde geworden, daß — unter dem Vor-
wände sie wiederherstellen und nach Amerika verkaufen zu wollen, —
unbrauchbar gewordene Sifre Thoroth und Jerioth aufge-
kauft würden, um dieselben an Goldschlägerfabriken zur
Vernichtung unter dem Hammer abzufetzen. Wir hatten da-
mals Gelegenheit, uns leider von der Wahrheit dieser Kunde zu über-
zeugen und in dem 'damals vorliegenden Falle dem empörenden Gewerbe
zu steuern. Wir haben nun neuerdings wiederum von ähnlichen Auf-
käufen erfahren, und geben die Umstände der Vermuthung einer gleichen
empörenden Absicht Raum. Wir halten uns daher verpflichtet,
alle Besitzer unbrauchbar gewordener Sifre Thoroth und
Jerioth vor Verkäufen zu warnen, bei denen sie unwissen-
der Weise דכרי קדושה לידי בזיון ושמוה הקדושים לידי מחיקה ואבוד
bringen können. Gewiß sind in vielen Fällen die Aufkäufer selbst
nur betrogene Werkzeuge, die vor solchen Aufkäufen zurückschrecken wür-
den, wenn sie die Zwecke kennten, für welche sie von denen mißbraucht
werden, deren Zwischenhändler sie bilden.
Möge es durch die Oeffentlichkeit gelingen, einem so empörenden
Handel zu steuern und ersuchen wir die löblichen Redaktionen jüdischer
Zeitschriften durch Abdruck dieser Warnung zur möglichst sicheren Errei-
chung dieses Zieles gefälligst beitragen zu wollen.
Wien, 2. Mai. Die ״ Oesterr. Zig." bringt einen weitläufigen
Ärtikel über religiöse Duldung. Wiederholt, und namentlich auch
bei Verkündigung des Concordates, wurde den Akatholiken Oesterreichs
die ungestörte Gleichheit der bürgerlichen Rechte zugesagt. Der Kaiser
hat sich auch noch neulich gegen die Evangelischen Ungarns in freund-
licher und befriedigender Weise geäußert. Die wirklichen Zustände ent-
sprechen aher noch häufig nicht den Verheißungen auf dem Papier. Am
übelsten daran sind die Juden; das Recht, Grundbesitz zu erwerben, ist
ihnen wieder genommen, und sie sehen dem neuen Judengesetze, das ihnen
wenigstens theilweise ihre bürgerlichen Rechte sichern soll, noch immer erst