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unnörhigen Anrufung des Namens der Gottheit liege, und fügt hinzu,
daß die von ihm beabsichtigten Abänderungen in der Eidesformel nur auf
die nichtkatholischen Parlamentsmitglieder Bezug haben. Er sei nicht ge-
sonnen, die zur Zeit der Katholiken-Ewancipation für die katholischen
Parlamentsrniustieder festgestellte Eidesformel, umzustoßen. Seine Bill
habe den Zweck, Christen der Nothwendigkeit zu überheben, einen Eid
zu leisten, der ihrer Vernunft und ihren Gefühlen widerstrebe, und den
Rest früherer Vorurtheile durch Aufhebung jener Stellen der Eidesfor-
mel zu beseitigen, welche der Aufnahme von Juden in das Haus der
Gemeinen entgegenständen. In der neuen Eidesformel, welche er vor-
schlage, fei unter Anderm die Stelle, wo der Schwörende jede reservatio
mentalis ableugne, ausgelassen. Auch die Worte: ״auf den wahren
Christen-Glauben" seien in der neuen Formel nicht enthalten. Sir F.
Thesiger erklärt, er werde sich der Einbringung der Bill nicht widersetzen.
Da sich aber seine Ansicht in Bezug auf die Zulassung der Juden zum
Parlamente nicht geändert habe, so werde er später den Gesetzentwurf
ernstlich bekämpfen. Die Erlaubniß zur Einbringung der Bill wird nach
einer kurzen Debatte ertheilt. Eine Resolution des Hauses, den Juden,
gleich den Quäkern, eine ihrem Bekenntniß entsprechende Eidesformel vor-
zuschreiben, wäre offenbar der kürzeste und sicherste Weg zur Emancipa-
rion der Juden, und es ist nicht leicht zu sagen, warum er seit Jahren
so beharrlich vermieden wird. Wenn diesmal nicht außerordentliche Ein-
flüsse ins Spiel kommen, steht die Verwerfung der Bill im Oberhause
so gewiß wie immer bevor.
— 18. Mai. Die ״Morning-Post" sagt, das Oberhaus werde
die Bill für Abänderung des Parlaments-Eides, zu Gunsten der
Zulassung der Juden, mit einer kleinen Majorität annehmen.
Die ״Post" (bekanntlich eben so toryistisch in der heimischen wie
whiggistisch in der auswärtigen Politik, und daher consequent Palmersto-
nisch) ״fürchtet", daß die Judenbill diesmal doch endlich Gesetz wer-
den wird. Wenn diese Besorgniß mehr als schlaue Affectation ist, so
können sich die Reformfreunde Glück wünschen, da man annehmen darf,
daß die ״Post" über die Chancen der Bill im Oberhause und über die
Einflüsse, die der Premier daraus spielen zu lassen denkt, mehr Anden-
tungen als ein anderes Organ erhalten haben wird.
Aus dem mittäglichen Frankreich, 18. Mai. Wie sehr die
Gleichstellung der Israeliten in Frankreich in alle Verhältnisse des geist-
lichen und gesellschaftlichen Lebens übergegangen, bemerkte man auch wie-
der bei dem am 15. d. Mts. stattgehabten feierlichen Einzug des neuen
.Erzbischofs in Aix. Von Seite des dortigen kaiserl. Gerichtshofes ward
der Kammerpräsident desselben, der gelehrte Herr Bedarrides, einer der
wackersten Israeliten Frankreichs, beauftragt, den Prälaten in einer An-
rede zu begrüßen. Dieselbe machte einen großen Eindruck, indem sie sich
durch Würde, Klarheit und tiefgefühlte Menschenliebe auszeichnete. (F. I.)