Seite
6W
die Flammen, die in das Fensters seinesSchlafzimmers, hineinschlugen.
Er halte gerade noch eben Zeit, seine Familie zu wecken und mit ihr
auf die Straße zu .entfliehen, ehe das zerstörende Element das Zimmer
ergriff, das er soeben verlaflen.
Einige Zeit glaubte man; ' die Synagoge könnte nicht mehr gerettet
, werden, und wendete ר 'äße Thätigkeit nur Gch zur Rettung der
umliegenden Gebäude; durch ׳ die außerordentliche Geschicklichkeit jedoch der
Feuerwehr, wurde man endlich Herr der Flammen,, ohne daß die Syna-
qoqc fetfcft er^ebtid^en <S^at>en gelitten da die Flammen sich
wehr aus das Hintergebäude beschränkten, wo das Feuer ausgebrochen war.
In der Stadt selbst wohnen ungefähr 6000 Juden, 6 Gemeinden
Hildeud, von denen 2 dem deutschen, Minhag 2 dem portugiesi-
scheu, 1 dem polnischen angehören; die 7te bildet die Niederländische
Gemeinde.
:Westindien.
Die Gebrüder S a ssone, in Bombay wohnende Juden, haben der
Regierung von Westindien, ein großes Gebäude und 30,000 Rupien
zur Gründung einer Handelsschule angeboten, unter der Bedingung, daß
dieselbe ihren Namen trage und Sonnabend und Sonntag geschlossen bleibe.
Die Behörden haben diese splendide Schenkung angenommen. U. Jsr.
Afrika. .
Berichte aus T unis vom 13. dieß melden, daß am 9. in dieser
Stadt eine blutige Emente gegen die Juden statthatte. Auch die
Christen wurden bedroht. Mehrere Personen wurden ermordet, das bri-
tische Consulat insultirt. . Militärische Maßnahmen wurden erst spät
getroffen^ — lieber die Vorgänge in Tunis erhalten wir noch ׳ nächste-
hende weitere Mittheilung vom 12 d.: ״ Ein Derwisch bezeichnete einen
Juden als Gotteslästerer , worauf das Volk sogleich auf ihn losstürzte.
Es gelang, den Unglücklichen ihren Händen zu entreißen und er flüchtete
in die Börse. Die Menge folgte ihm dahin , zertrümmerte Alles und
zog dann vor die Bureaux der Messagieren unter dem Rufer Tod den
Inden, Tod den Franken. Der französische Consul begab sich eiligst
zum Bey und reclamirte Truppen zum Schutz der Europäer. Die Stadt
ist in größter Aufregung.
Ueber das gräßliche Ereigniß vom 5. Juli theilt ein Augen-
zeuge dem U. Jsr. noch mit, daß der Unglückliche, der das Opfer
jener barbarischen Wuth wurde, zwischen jedem Hiebe , den er bei der
entsetzlichen Execution erhielt, das שמע ישראל rief, und daß dieses
Gebet ves Unglücklichen von einigen muthigen Männern oer Kabronim
Chebra wiederholt wurde, die sich einem beinahe gewissen Tode geweiht
hatten , ׳ um ihrem unglücklichen Bruder die letzten Pflichten zu erweisen.
Das U. Jsr. fordert mit Recht die vom Bey oeeorirten französischen
Juden, aus, ihre Orden einem Fürsten zurüZzusenden, ״ der in seinem
Lande Solches gegen ihre Glaubensgenossen geschehen läßt."
Druck von RsinhsW BM. — Redakteur: Rabbiner Hirsch in Frankfurt am LlLain.