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den Resultaten der nur in Pendelschwingungen fortschreitenden und
ihre Momente nur nach Jahrhunderten zählenden sittlichen Erzie-
hung der Volker abhängig machte?
Schon das ״schauende Lied", mit welchem er seinen Diener
Moses von seinem Volke Abschied nehmen ließ, das ewig ״vor unS
her als Gottcszeuge reden und nimmer von uns vergessen werden
soll," — es singt unsere gottnahe Bestimmung, wie;
Gottes Theil sein Volk,
Jakob das ihm zugefall'ne Erbe.
Es findet Ihn in Wüstenland
In der Oede, wo die Leere klagt,
Er nmgiebt es, er belehrt es,
Er bewahrt es wie seinen Augapfel —
Wie ein Adler weckt sein Nest,
Ueber seinen Jungen schwebt,
Ausbreitet seine Flügel es aufzunehmen,
Es dann hoch aus seinen Schwingen trägt:
So will Gott allein es leiten
Und neben ihm kein fremder Gott!
Wie somit nicht blind und willenlos, sondern nur mit wachem Auge
und freier Hingebung uns der kühne Adlerflug auf den Gottes-
schwingen über alle Nebel und Klippen der Tiefe eröffnet ist —
Aber auch unfern tiefen, tiefen Fall aus dieser Hohe besingt
es, wenn wir zu schwach befunden werden für diesen isolirten und
isoltrenden Adlerflug über die Phasen der Zeiten auf denßalletni-
gen Fittigen Gottes, des Einzigen — wenn wir in der Fülle Gott
von uns gewiesen und der sinnliche Ueberfluß uns stumpf und gott-
vergessen gemacht und wir ״den Fels unseres Heils als etwas Ue-
berflüssiges und Werthloses betrachten gelernt", — es sieht uns
von Gottes Pfeilen getroffen — von Hunger verzehrt — von
Brand verspeist — vom bitter» Tod — von Thieres Zahn —
draußen das Schwerdt — drinnen die Angst — Jüngling und
Jungfrau, Säugling gemordet und Greis — entfernt hätte sie Gott
von der Schaubühne der Geschichte, hätte ihr Andenken aus dem
Kreise der Menschen schwinden lassen, wenn ihre Feinde verständiger
gewesen, wenn sie aus diesem Untergange Israels Gott fürchten
und nicht vielmehr ihre Macht vergöttern gelernt! —■׳