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{)attcn, im Tempel zurückgeblieben sind, somit im Ein- !
Verständnisse mit Solomon Schwarz und Konsorten !
bei der Ermordung der Esther Solymosi im Tempel i
anwesend waren nnd durch ihre -Ballung thatsächlich !
zur Stärkung des sträflichen Borsatzes beitrugen, indem j
sie durch ihre Anwesenheit die Thütcr zu muthigerem
und sichererem Auftreten ermunterten, weßhalb sie also
der Ermordung der Esther Solymosi vorsätzlich Bor-
schul׳ leisteten. Die Anklage erscheint weiters um so
begründeter, weil die leugnenden Angeklagten nicht im
Stande sind, durch glaubwürdige Zeugen nachzuweisen,
dag sie sich zur fraglichen Zeit nicht in der Synagoge
befunden Hütten. Emannel Taub ist der Theil-
nähme am Morde ebenfalls verdächtig, obgleich Moriz
Scharf ihn nicht unter Denjenigen nennt, die in der
Synagoge anwesend waren: allein Taub selber be-
hanptet, das; Salonton Schwarz und Leopold Braun
bei ihm wohnten, daß er mit diesen in die Synagoge
sich begab und daß sie nach Beendigung des Gottes-
dieusles in seine (des Taub) Wohnung mit einander
zurückkehrten; wenn Taub also nach seiner eigenen
Darstellung sich fortwährend in Gesellschaft der Thüter
befunden, so muß gefolgert werden, daß auch er der
Ermordung assistirte, dies umsolnelir, als die Frau
Johann Nagy's, die mit Taub in einem Hanse wohnt,
angegeben hat. daß er mit seinen Gästen gegen l Uhr
Mittags in seine Wohnung zurückgekehrt sei.
Die Motive gehen sodann ans den zweiten Theil
des Prozesses über, ans den Leichen fand von
Tisza-Dada, dessen Einzelheiten ans früheren
authentischen Darstellungen hinreichend bekannt sind.
Der Leichttam wurde am 18. Juni ans den Fluthen
der Theiß gezogen, nnd am 19. wurde die gerichtliche
Leichenschau vorgenotumen, bei welcher sich herausstellte,
daß die Kleider, welche die Leiche trug, identisch mit
denjenigen, die Esther Solymosi am Tage ihres Ber-
schwindend getragen hatte. Bon den zwanzig Personen,
welche zur Agnoseirung berufen wurden, erkannte eine
in dem Leichnam gm; bestimmt die Esther Solymosi;
fünf glaubten die Esther zu erkennen; vierzehn, darunter
die Mutter und Geschwister des verschwundenen Mädchens,
erklärten ganz bestimmt, daß die Leiche nicht die der
Esther sei. (Hier muß erwähnt werden, das ;11 dieser
Agnoseirnng kein einziger jüdischer Ortsbewohner zu-
gelassen mtd der jüdische Bertheidiger der Angeklagten
von der Leichenschau geradezu entfernt wurde. Anm. d.
Berichterstatters.) Es werdet! sodann die drei geeicht-
lichen Sektionen aufgezählt, die bekanntlich zuerst von
einem Eszlarer Zahnärzte und einem Mediziner des
vierten Jahrganges, sodann von den Pester delegirten
Professoren der Anatomie und schließlich vom Landes-
Tanitätsrathe vorgeuommen wurden. Der Gerichtshof
hält sich an das erste und an das dritte Gutachten,
ignorirt das der Pester Universitäts-Professoren voll-
ständig. Der Befund des Landes-Sanitätsrathes, dessen
dilatorischer Karakter seinerzeit so großes Aufsehen
erregte, da darin jeder Möglichkeit Raum gegeben und
keine einzige bestimmte Ansicht ausgesprochen war, hat
den Gerichtshof zu der Annahme bewogen, es bestehe
der Berdacht, daß ein fremder Leichnam in die Kleider
der Esther Solymosi gesteckt und zu dem Zwecke in die
Theiß geworfen wurde, damit der Gerichtshof irregeführt
und bewiesen werde, daß, nachdem an dem Leichnam
sine Spur gewaltsamen Todes nicht zu entdecken war,
Esther Solymosi nicht in der vom Gerichte äuge-
nommeneu Weise um das Leben gebracht worden sei.
Dieser Berdacht richtete sich hauptsächlich gegen die
Flößer, die sich bei der Auffindung des Leichnams in
der׳ Nähe desselben befanden und die ihnen zur Ucbcr-
wachung anvertrante Leiche begruben, bis die bchörd-
lichen Funktionäre ;tun Augenschein erschienen. Die
Flößer David -Hersko und Ignaz Matej haben über-
einslimmend einbekannt, daß, als sie am 7. Juni mit
ihrem Floße bei Kereeseny vorübcrfnhren, ihr alter
Bekannter, Iankel Smilovies, der dort am Ufer
sein Floß belud, ihnen im jüdischen Jargon zuries, sie
mögen gegen gute Bezahlung ans ihrem Floße einen
Leichnam transportiren. Als sie einwilligten, sagte
Smilovies, er werde ihnen die Leiche unterwegs über-
geben und den Ort bezeichnen, an welchen dieselbe zu
bringen sei. Sie gestanden ferner, daß sie am 11. Juni
zwischen Klein- und Groß-Tarkany am Ufer anlegten;
gegen Abend traf auch Smilovies daselbst ein uttd
übergab ihnen die von ihm mitgebrachte Leiche mit der
Weisung, daß sic dieselbe unter ihrem Floße bis Dada
mitsühren und dort loslassen sollen; früher aber mögen
sie die Leiche in jene Kleider stecken, die ihnen unter-
halb Tisza-Eszlar eine brünette Frau von etwa 30 bis
35 Jahren übergeben würde. Smilovies unterwies
sic auch darin, in welcher Reihenfolge sie die Kleider
dem Leichnam auzulcgen haben; insbesondere, müsse
das Tuch mit der Farbe au die linke Hand der
Leiche gebunden werden. Smilovies versprach ihnen
einen Lohn von 120 fl. und händigte ihnen 50 fl.
als Borschuß ein. Die Flößer thateu wie ihnen
geheißen. Schon am 10. Juni gewahrten sie am Ufer
von Eszlar die brünette Frau mit dem Klciderbündel;
als sic gegen ׳Bachmittag am Ladanyer User anlegten,
kam die Frau in einem Kahne hcrübergefahren, übergab
das Bündel und sagte in jüdischem Jargon: ״Hier
sind die Kleider, die Iankel euch für die Leiche schickt."
Die Flößer bekleideten den Leichnam, senkten denselben
wieder unter das Floß, fuhren nach Dada, wo sich der
Leichnam loslöste und atts Ufer geworfen wurde.
Iankel Smilovies hat ansgesagt, daß er in der
Zeit vom 5. bis 14. Juni in Kereeseny verweilte *,