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Peßach rückte heran. ״ Wo kauft ihr eure ; כצור ?
war meine erste Frage. ״ In V.," war die Antwort,
(fine* schönen Tages begab ich mich nach jenem Ort,
wo die n ׳ 2 '^״ -Bäckerei war, nahm Einsicht von der Art
und Weise, wie jener Bäcker verfuhr. Hunderte von
Familien beziehen von ihm ihren für Peßach nöthigen
Brotbedarf und sie alle essen ohne Zweifel חמץ : es
genügt die einzige Thatsache, die mir der Bäcker selbst
zugesland, das; er das Mehl für die מצות ohne Weiteres
vou einem Müller kaust. Ich erklärte ihm, wie
unrecht dies sei, welche schwere Sünde er begehe, aber
er nahm nicht die geringste Notiz hiervon. ״ Der
Rabbiner kauft sie auch bei mir, und das mus; den
Andern genügen."
Ich hatte nichts Eiligeres zu thnn, als am nächsten
שנת meiner Gemeinde das הנדן Verbot warm an's
Her; zu legen und ihr zu sagen, in welch' leichtfertiger,
unverantwortlicher Weise der Bäcker vorgeht, von dem
sie ihre מצות nehmen. Es war gottlob nicht Einer da,
welcher fortan von dort bezog. Für mich hatte dieses
zwar keine guten Folgen, insofern, als der Bäcker mich
wegen Schädigung seiner Interessen 1111b ans Vertrauens-
entziehnng bei Gericht anklagte. Allein der Gerichtshof
war einsichtig und gerecht und sprach mich von beiden
Beschuldigungen srei.
Nur noch Eines sei mir zu erwähnen gestattet.
Es war um die Zeit בץ המצרים , als mir der Vor ׳
stand meiner Gemeinde die Meldung brachte: ״ Nächsten
׳ממת wird uns der Herr Rabbiner mit seiner Gegen-
wart beehren." Ich wußte, welche Bedeutung dieser
Rapport für mich hatte. Einem Paragraphen der
Shnagogenordnung zufolge mußte nämlich der Lehrer
in der Gemeinde, wo kein Rabbiner ist, an ntanchen
Sabbathen und Festtagen predigen, und hat dies einmal
in Gegenwart des Rabbiners zu geschehen. Meine
Gemeinde zu belehren, hatte ich außer den Predigten,
mit denen in der Regel nicht viel ansgerichtet wird,
Gelegenheit genug, besonders in den allsabbathlichen
Schiurvorträgen. Zn dieser Probepredigt wollte ich
aber doch gerne ein Thema wählen, in welchem ich
dem Herrn Rabbiner Manches unter die Nase reiben
konnte. Was thnn? Ich nahm, bald entschlossen, ein
Tamnsheft des ״ Jeschnrnn," ans meinem kleinen Bücher-
vorrath und fand in demselben was ich suchte und
brauchte und zwar über הנהנים לא אמרו איה ה׳
ותפשי ההורה לא ידעוני u. ן . w. ans der Haftora des
Wochcnabschnitts.
Ich prägte mir die Abhandlung wortgetreu ein.
Am Freitag Nachmittag traf die erwartete Hoheit
ein, nahm bei dem Vorstand, bei dem das ganze Hans
im Feslschmnck prangte und die Küche mit frisch ge-
backenem Kuchen und wohlschmeckenden Fleischspeisen
ansgestattet war, denn, nebenbei gesagt, der Rabbiner
! war ein großer Verehrer einer guten Küche, Quartier.
! Ich begrüßte ihn noch vor ימנה , wurde aber natürlich
! nicht sehr gnädig ausgenommen. Er begnügte sich jedoch
mit der Bemerkung, daß er meine Verstöße gegen von
' im Dienste ergrauten Männern verfaßte Verordnungen
. in Rücksicht ans meine heißblütige Jugend nicht ahnden
!volle. Dabei machte er ein ganz salbungsvolles Gesicht
und wandte die Angen himmelwärts, als suche er die
; מפינה • oben נעליונים , während sie doch 1 ; נתהתונים !
1 finden ist.
; Der Freit ag abend - Gott esdien st gefiel ihm ganz
: gut: ich hatte mit großer Mühe den Schnlknaben einen
! hübschen מזמור ימיר ,לנה דודי n\ eingeübt-. שהרית
: ging auch vorüber, und nach dem Einheben, bei dem
! es mir ein wenig schwül nm's Her; wurde, sollte ich
! meine Predigt vom Stapel lassen.
! Der Herr Rabbiner nahm Platz in dem eigens
: für ihn bestimmten Shnagogenstnhl. Nachdem ich mich
! einmal geräuspert hatte, begann ich mit hochklopfendem
; Herzen. Ich hatte vortrefflich mcmorirt, auch nicht ein
‘ Satz, nicht ein Wort des ans dem Jeschnrnn entlehnten
; Artikels war meinem Gedäehtniß entschwunden. Ich
! gab diese treffende Schilderung der Ursachen des religiösen
' Verfalls als meine eigenen Gedanken ans, des Satzes
; uneingedent נל האומר דנר נשם אמרו ונו׳ . Als ich
; an die Stelle kam, wo der Autor unter תופשי ההורה
■ Diejenigen geißelt. die die Stütze des Gesetzes sein
sollten, also vorzugsweise die Rabbiner, da erhob sich
i mein würdiger Herr Vorgesetzter von seinem Platze, und
j ich glaubte schon, von ihm ein ״ Halt" zu hören, doch
! nein — er hörte weiter stehend zu, zitterte an Händen
und Füßen und die Farbe seines Gesichtes änderte sich
: oft. Mein übriges Publikum verstand vielleicht nur
! den Totakinhalt der Rede, für die einzelnen Momente
j hatte es doch weniger Versländniß. Eine halbe Stunde
! nahm dieser Vortrag in Anspruch-, ich war froh, als
■ er gesprochen war, obwohl ich mich ans eine gehörige
! Zurechtweisung seitens des Herrn Rabbiners gefaßt
j machte. Nachdem ich מונף beendet hatte, ging er
! jedoch ans mich zu, drückte mir die Hand und sagte:
: ישר נה ׳׳ , Sie haben Ihre Sache gut gemacht, nur möchte
| ich Ihnen rat Heu, eine etwas weniger gewählte Sprache
: zu führen, da ich befürchte, Ihr.Publikum versteht Sie
! nieln." Ich erwiderte: ״ Es galt mir auch diesmal
mehr von Ihnen verstanden zu werden." Die Mahnungen
! hatten freilich bei ihm nichts geholfen; er ist heute
j noch derselbe, der er in jener Zeit war.
. Der Herr Verfasser jenes Anikes möge verzeihen,
daß ich cs wagte, jenen Diebstahl an seinem Werke
zu begehen.
Das sind einige Züge meiner Wanderung auf
dem Wege der ersten tzchrerprapis.